Vereinzelt Schauer - Frankfurt

Naturerlebnisse als Kunst

Der Frankfurter Kunstvereine untersucht Wetterphänomene mit den Mitteln der Kunst – ein misslungenens Experiment, bilanziert art-Korrespondentin Sandra Danicke

Von wegen Gold! Am Ende des Regenbogens hängt eine kaputte Gardine.

Am anderen Ende findet man eine öde Garagenauffahrt. Wie ernüchternd. Spencer Finch hat die trostlosen Orte in Neuseeland mithilfe topografischer Karten lokalisiert, nachdem er dort einen Regenbogen gesichtet hatte, und anschließend in Schwarzweiß fotografiert. Auch eine zweite Arbeit des Künstlers handelt von der Nichtdarstellbarkeit romantischer Empfindungen und Sehnsüchte: Bei "Wind/Through Emily Dickinson’s window, August 14, 2012, 3:22 pm" handelt es sich um Ventilatorwind, der durch den Kunstverein bläst und eine Brise zitiert, die Finch einst im Haus der 1886 gestorbenen Dichterin erlebt hat.

Natürlich ist auch diese Umsetzung eines Naturerlebnisses ernüchternd. Wind ist eben nicht gleich Wind. Um dies zu wissen, braucht es aber keine Versuchsanordnung. Dass Wetterphänomene sich nicht eins zu eins einfangen und in den Kunstkontext übertragen lassen, versteht sich von selbst. Allerdings ist kaum eine der gezeigten Arbeiten in der Lage, über den Zitatcharakter hinaus bemerkenswerte Erkenntnisse oder Assoziationen zu vermitteln. Ob man nun einen Regenschauer in einem Glaskasten betrachtet wie ihn Stefania Batoeva konstruiert hat, Wasser aus Metalleimern tropfen hört, die Rivane Neuenschwander aufgehängt hat, ob man vor gemalten Schneelandschaften von Iris Schomaker steht oder sich einen Film von John Woodman ansieht, der die vernebelte Sonne an einem Novembermorgen zeigt und dabei so viel langweiliger anmutet als das Originalereignis – stets hat man den Eindruck, die Kunstwerke seien dem Zauber und der Gewalt der realen Elemente auf eine hilflose Weise unterlegen.

Vollends grotesk wird es, wenn man zwischen Flo Maaks halbtransparenten Duschwandelementen aus Plastik auf Satellitenaufnahmen eines Wirbelsturms blickt. Oder man schaut auf ein schlecht empfangenes Videostandbild einer endzeitlichen Brachlandschaft und liest nach, dass die Bildstörung durch im Ausstellungsraum erhobene klimatische Messdaten entsteht, die vom Künstler Íñigo Manglano-Ovalle in ein Computerprogramm eingespeist wurden. Was soll das? Dann doch lieber mit Humor. Klaus Weber hat einen "Basteltornado" gebaut – ein Gebilde, das mithilfe eines Ultraschallneblers und eines Staubsaugers einen zimmertauglichen Minitornado erzeugt. Ein drolliger Effekt, der sich jedoch bald abnutzt. Anschließend sollte man schleunigst ins Freie eilen. Jedes Wetter ist besser als diese Ausstellung.

Vereinzelt Schauer – Formen von Wetter

Frankfurt, Kunstverein

Bis 19.5.
http://www.fkv.de/deutsch/ausstellungen/aktuelle-ausstellung.html?id=4