Wols - Bremen

Protagonist der Avantgarde

Die Kunsthalle Bremen widmet dem abstrakten Maler Wols eine umfassende Retrospektive.

Wols sei "einer der erfinderischsten und einflussreichsten Künstler im Europa der Nachkriegszeit – wenn auch kommerziell erfolglos", heißt es in einer Ausstellungsankündigung der Menil Collection in Houston, Texas, die einige Werke des Deutschen (1913 bis 1951) besitzt.

Gleichwohl ist der Ruhm des Mannes nicht bis in die USA vorgedrungen, der zusammen mit den Franzosen Pierre Soulages und Georges Mathieu zu den Großen des Tachismus zählte und der von Kennern als europäische Antwort auf den amerikanischen Abstrakten Expressionismus geführt wird.

Was sich jetzt ändern und ihm zugleich auch im Heimatland einen neuen Bekanntheitsschub verleihen könnte: Die Menil Collection hat in Zusammenarbeit mit der Bremer Kunsthalle eine Retrospektive zum 100. Geburtstag des Malers und Fotografen ausgerichtet, die zunächst in Bremen gezeigt wird.

1913 in Berlin geboren, siedelte Wols mit 19 Jahren nach Paris über und 1935 nach Spanien, wo er von Naziagenten denunziert und unter einem Vorwand inhaftiert wurde. 1939, nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er als "feindlicher Ausländer" für 14 Monate interniert. Im Lager begann er zu malen – oft nur handtellergroße Blätter, die schon die Spontaneität verraten, die sein Werk durchgängig prägen sollte. Zu dieser Spontaneität gesellte sich später die malerische Finesse: Seine aus dem Gefühl entstandenen Einfälle hat Wols "mit erstaunlicher Sorgfalt im Nachhinein auskomponiert und, im Wortsinn, verbessert", wie sein Künstlerkollege, der Maler Hans Platschek, im April 2000 in art schrieb, "ohne der ersten, unmittelbaren Fassung Abbruch zu tun".
Die Ausstellung will erstmals den "Künstler in der Perspektive seiner Zeit" darstellen, als "Protagonisten der internationalen Avantgarde, der im Dialog mit Surrealismus und Informel eine ebenso markante wie einzigartige Bildsprache" entwickelt hatte.

In Frankreich wurde er zum großen Inspirator, denn in den Nachkriegsjahren hatte ungegenständliche Kunst hier eine untergeordnete Rolle gespielt. Der Deutsche Wols "bezog eine extreme Gegenposition", so Ewald Rathke, Kunsthändler und ehemaliger Direktor des Frankfurter Kunstvereins, die "die Aufmerksamkeit einer ganzen Reihe von Künstlern" erweckten.

Wols: Die Retrospektive

Bremen, Kunsthalle
Bis 11.8.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag und kostet 39,90 Euro. Die Ausstellung wird vom 13. September bis 12. Januar 2014 in der Menil Collection, Houston, Texas, gezeigt
http://www.kunsthalle-bremen.de/ausstellungen/wols-retrospektive/

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