Keith Haring - Paris

Unterschätzte Popikone

Keith Haring war einer der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts, der mit seinen griffigen, grafischen Piktogrammen, die heute in Mode gekommene Street Art vorwegnahm.

Er galt schon zu Lebzeiten als eine Pop-Ikone, die mit ihren auf griffige grafische Kürzel reduzierten Piktogrammen die erst heute wirklich in Mode gekommene Street Art vorwegnahm.

Der 1990 im Alter von nur 31 Jahren gestorbene Amerikaner Keith Haring galt als einer der einflussreichsten und populärsten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unterschätzt wird aber bis heute der politische Aktivist Haring, dessen Graffiti-Kunst nie nur nächtlicher Ego-Trip oder bloßer Spaßfaktor war. Um diesen noch relativ unbekannten Weltverbesserer Haring geht es in der Ausstellung des städtischen Pariser "Musee d’Art Moderne". Mit über 250 Gemälden und Zeichnungen auf Leinwand, Papier und Planen wird umfassend illustriert, wie Haring, der schon auf der New Yorker Kunstschule ein begnadeter Zeichner war, seine Kunst immer wieder als Aufschrei gegen soziale Ungerechtigkeit, atomare Aufrüstung, Diskriminierung der Homosexuellen oder die Unterdrückung der Farbigen durch das süafrikanische Apartheid-Regime einsetzte.

Haring malte dort, wo man seine Kunst brauchte, und setzte seinen Erfolg im Kunstbetrieb immer wieder für die gute Sache ein. Etwa, indem er dank seiner Erfolge eine Stiftung für Aids-Forschung gründete. Ab 1982 war Haring auf vielen großen internationalen Ausstellungen vertreten, auch auf der documenta 7; in Paris stellte er 1984 zum ersten Mal museal aus. Harings Stil war schnell allgegenwärtig, er schuf kleine und große Skulpturen, Objekte, Souvenirs. Weniger bekannt ist, wie er bekannte Themen aus der Geschichte der Malerei in eine zeitgenössische, allen verständliche Bildsprache übersetzte. Etwa die biblischen Tafeln der zehn Gebote, deren Motive er auf zehn monumentalen Leinwänden, jeweils sieben Meter hoch, in leuchtend roter Farbe in die Neuzeit übersetzte. In Paris werden 20 solcher Großformate nicht im noblen Museumsbau gegenüber dem Eiffelturm, sondern nahe Montmartre im städtischen Kulturzentrum Centquatre gezeigt. Dort, wo sie hingehören ‚ nicht ins Museum, sondern direkt an den sozialen Brennpunkt eines problematischen Migrationsviertels.

Keith Haring

Paris, Museum der Moderne
bis 18.8.
http://www.mam.paris.fr/en/expositions/keith-haring-0