Ellen Gallagher - London

Geschichten zwischen Abstraktion und Figuration

Ellen Gallagher eroberte in den frühen neunziger Jahren die New Yorker Kunstwelt. Nun bietet die Londoner Tate Modern einen Überblick auf die 20-jährige Karriere der Künstlerin.

Ellen Gallagher eroberte in den frühen neunziger Jahren die New Yorker Kunstwelt mit einer Serie von auf den ersten Blick minimalistischen Gemälden, deren verrückte Titel wie "Oh! Susanna" (1995) oder "Oogaboogah" (1994) überhaupt nicht zu der an die abstrakte Welt von Agnes Martin erinnernde Ästhetik zu passen schienen.

Doch bei genauerem Hinsehen entpuppten sich die scheinbar abstrakten Gesten als winzige gemalte oder gezeichnete Lippen, Augäpfel und Perücken, Versatzstücke der schwarzen Minstrel-Shows, die, so die Künstlerin, "schon in die Metapher, in die Karikatur geprügelt worden sind".

Die 1965 in Providence, Rhode Island, als Tochter eines afroamerikanischen Vaters und einer weißen Mutter irischer Abstammung geborene und heute zwischen New York und Rotterdam pendelnde Künstlerin ist in einem schwer definierbaren Land zwischen Abstraktion und Figuration angesiedelt. Die geborene Geschichtenerzählerin ist in den unterschiedlichsten Medien gleichermaßen zu Hause – Malerei, Skulptur, Collage, Film und Installation. Ihr Werk begnügt sich nicht mit der bloßen Darstellung von Rassenpolitik und Identität, es geht weit darüber hinaus.

Die Schau in der Tate Modern gibt eine Übersicht über die 20-jährige Karriere der Künstlerin, deren Kunst aus den unterschiedlichsten Quellen schöpft – Literatur, Musik, Science-Fiction, Werbung und natürlich die Geschichte der Afroamerikaner. Unter den gezeigten Arbeiten befinden sich auch Schlüsselwerke wie die Filminstallation "Murmur" (2003/04) und das komplexe Relief "Bird in Hand" (2006), auf dem merkwürdige Fabelwesen eine Unterwasserwelt bevölkern, eine Art schwarzes Atlantis. Es sind, so sagt die Künstlerin, "die Nachfahren schwangerer afrikanischer Frauen, die auf der Überfahrt nach Amerika über Bord sprangen oder ins Wasser geworfen wurden".

Ellen Gallagher

Termin: bis 1. September, London, Tate Modern

http://www.tate.org.uk/whats-on/tate-modern/exhibition/ellen-gallagher-axme