Phil Collins - Köln

Medienkritik ohne Häme

Für das Museum Ludwig hat Phil Collins, der als Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln lehrt, aus den aufgenommenen Telefongesprächen von Obdachlosen Musikstücke produziert.

Beim Teleshopping bekommt man beinahe alles, was man kaufen kann, aber gerade nicht das, wonach man sich wirklich sehnt.

Der britische Videokünstler Phil Collins (Jahrgang 1970) hat diese Marktlücke in seiner Arbeit "This Unfortunate Thing Between Us" geschlossen und verspricht den Anrufern seines Einkaufsfernsehens, ihnen ihre geheimsten Wünsche zu erfüllen: die Hauptrolle in einem viktorianischen Porno spielen. Oder auf dem Sterbebett mit der eigenen Familie abrechnen. Tatsächlich verkauft er den Anrufern dann aber nur die bange Vorfreude auf etwas, das nie eintritt.

Vielleicht muss man sich einfach auf die Komplizenschaft zwischen den populären Medien und ihren Nutzern verstehen, wenn man wie Collins den Namen mit einem Popstar der achtziger Jahre teilt. Jedenfalls kehrt der seit einigen Jahren in Deutschland lebende Videokünstler immer wieder verlässlich zu diesem Themenknäuel zurück. In der Ausstellung im Kölner Museum Ludwig ist auch ein verfremdetes Britney-Spears-Plakat und ein Video über die Aneignung der westlichen Skinhead-Mode in Malaysia zu sehen. Dass diese Mischung aus Medienkritik und Mitmachkunst stets eine politische Komponente hat und ohne Häme auskommt, macht eine der Stärken von Collins’ Werken aus.

Neue Arbeit

Eigens für Köln hat er eine Arbeit mit Obdachlosen entwickelt. Die konnten in einer Telefonzelle kostenlose Ferngespräche führen, die von Collins mitgeschnitten und anschließend anonymisiert an Musiker zum Vertonen weitergegeben wurden. Die so entstandenen Vinylplatten werden im Museum Ludwig in Hörkabinen präsentiert – als Gegenbeispiel zur allgegenwärtigen Beschleuni­gung der Kommunikation und als Lebenszeichen von Menschen, die mit der Gesellschaft in mehr als dieser Hinsicht nicht mehr Schritt halten können.

Phil Collins – In every dream home a heartache

Museum Ludwig, Köln,
bis 24.7.

Abonennten erhalten gegen Vorlage der Artcard ermäßigten Eintritt.
Zur Ausstellung erscheint eine LP mit Booklet
http://www.museum-ludwig.de