Manfred Mohr - Karlsruhe

Antwort auf viele Fragen

Manfred Mohr trifft im Paris der sechziger Jahre auf den Elektro-Pionier Pierre Barbaud, und entdeckt für sich einen Weg, elektronische Rechenmaschinen auch für die Produktion künstlerischer Werke zu nutzen. In den folgenden 40 Jahren schuf Mohr, als einer der ersten Künstler überhaupt, Bilder, die an Digitalcomputern erzeugt und vollautomatisch gezeichnet wurden.

Heute besitzt fast jeder Haushalt einen Computer. Als Manfred Mohr in den sechziger Jahren am Computer künstlerisch arbeitete, gab es nur in Forschungseinrichtungen Rechner und Plotter.

Mohr gelang es, nachts die Geräte des Meteorologischen Instituts in Paris zu nutzen. "Das ist eine richtige Räubergeschichte", erzählt Margit Rosen. Sie hat für das ZKM Karlsruhe die Ausstellung "Der Algorithmus des Manfred Mohr" konzipiert, die das Werk des Computerpioniers umfassend vorstellt.
In diesem Jahr wird der in New York lebende Mohr 75 Jahre alt. Er hat inzwischen einen riesigen Fundus an Werken, aus dem Rosen 120 ausgewählt hat. Das Spektrum reicht von kleinen Zeichnungen über Computeranimationen bis hin zu Skulpturen. So hat Mohr zum Beispiel Leinwände zerschnitten und als dreidimensionale Ensembles arrangiert.

Mohr hat in Pforzheim als Schmuckgestalter angefangen, zog dann als Saxophonist durch die Welt und kam in Paris mit elektronischer Musik in Kontakt. Seine frühen Schwarzweißdrucke ähneln Partituren, sie beschäftigen sich mit Notationen, Strukturen und Leerstellen. Mohrs Prinzip: Der Künstler definiert die Rahmenbedingungen, der programmierte Algorithmus liefert "das System, das die Maschine in gnadenloser Konsequenz durchführt", wie Rosen es nennt.

So werden Formen schier endlos variiert oder Würfel gevierteilt und in Drehungen aufs Papier gebracht. Eine der jüngsten Werkgruppen nennt sich "Klangfarben": Auf quadratischen Bildschirmen werden die Diagonalwege eines 11-d-Hyperwürfels durchdekliniert – ein ausgefeiltes Computerprogramm stellt die immerhin 40 Billionen Möglichkeiten farbig dar. Dass das nicht nur Mathematikfans anspricht, liege an der Schönheit der Arbeiten, meint Rosen.

Der Algorithmus des Manfred Mohr

8.6.–1.9. 2013, Karlsruhe, ZKM/Medienmuseum,

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Es erscheint eine Anthologie mit Texten von Manfred Mohr

http://www.zkm.de/

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