Glam! - Frankfurt

in jeglicher Hinsicht übertrieben

David Bowie, Andy Wahrhol und Gilbert & George: Die Frankfurter Schirn präsentiert mit "Glam! The Performance of Style" eine Modeerscheinung der siebziger Jahre und ihre Wirkung auf die Kunst.

Das Timing ist perfekt. Jetzt, da David Bowie aus der Versenkung aufgetaucht ist und fast sämtliche Medien seine extravaganten Outfits der vergangenen Jahrzehnte Revue passieren ließen, scheint die Zeit gekommen, an eine Ära zu erinnern, die vor allem eine stilistische war: verrucht glitzernde Kleidung, extravagantes Make-up, androgyne Erscheinung.

Tatsächlich kennt man den Begriff "Glam" – eine Kurzform von Glamour – vornehmlich im Zusammenhang mit Rock. Glamrock wiederum war weniger ein Musikstil als eine dezidiert exzentrische Ästhetik: schrill, sexy – und in jeglicher Hinsicht übertrieben. Dass Glam tatsächlich mehr war als nur eine Art, sich aufreizend bis zur Karikatur zu stylen, dass die Theatralik und Feminisierung, die das Erscheinungsbild von Musikern wie David Bowie, Marc Bolan oder Brian Eno in den frühen siebziger Jahren prägten, einen starken Einfluss auf bildende Künstler ausübte, zeigt die Ausstellung, die jetzt aus der Tate Liverpool nach Frankfurt kommt.

Bereits in den sechziger Jahren versuchte der US-Amerikaner Jack Smith in Filmen wie "Flaming Creatures" Geschlechterkategorien zu überwinden, indem er Hollywood-Klischees mit Drag Queens und Transvestiten auf trashige Art überspitzte. Zur selben Zeit erhob Andy Warhol mit seiner Entourage und seiner Factory das Glitzerleben zum Kult. Bald darauf irritierte in London das Künstlerpaar Gilbert & George mit ultrastilisierten Posen, Business-Anzügen und golden bemalter Haut: zwei selbstbewusste Ästheten, die ihr Dasein zur Kunst erklärten. Pop-Art-Erfinder Richard Hamilton thematisierte schließlich das dekadente Boheme-Leben der Rock-’n’-Roll- und Kunst-Schickeria in dem Bild "Swingeing London 67". Das Gemälde, das auf einem Zeitungsfoto basiert, zeigt Mick Jagger und den Kunsthändler Robert Fraser in Handschellen auf der Rückbank eines Autos, nachdem man sie wegen Drogenbesitzes verhaftet hatte. Als Kunsthochschullehrer prägte Hamilton auch seinen Studenten Bryan Ferry, der später als Frontmann der Band Roxy Music mit seiner hochartifiziellen Attitüde zum Inbegriff des Glam werden sollte.

In Deutschland waren es vor allem performativ arbeitende Künstler wie Jürgen Klauke oder Ulay, die sich in fotografischen Selbst­inszenierungen mit Sexualität und sozialen Verhaltensmustern auseinandersetzten. Um die gesellschaftlichen Normen und Geschlechterrollen infrage zu stellen, benutzten sie Versatzstücke aus Travestie und Camp – zu einer Zeit, als von "Gender Studies" noch längst keine Rede war.

Glam! The Performance of Style

Termin: bis 22. September, Frankfurt/Main, Schirn-Kunsthalle

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog erscheint im Kerber Verlag und kostet 22 Euro in der Ausstellung und 32 Euro im Buchhandel. Die Ausstellung wird vom 19. Oktober bis 2. Februar 2014 im Linzer Lentos Kunstmuseum gezeigt.
http://www.schirn.de/GLAM_THE_PERFORMANCE_OF_STYLE_2.html

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