Emil Nolde - Baden-Baden

Poet der Farben

Er war einer der Protagonisten der deutschen expressionistischen Malerei. Das Museum Frieder Burda zeigt nun eine große Werkschau von Emil Nolde. Es ist seit Jahren die größte Ausstellung des Malers in Süddeutschland.

Wenn es um Farben ging, dann wurde aus dem Mann mit dem kantigen Schädel, der auf Fotografien oft etwas nachdenklich, ja griesgrämig wirkt, auf einmal ein Poet: In Worten, so farbig wie seine Bilder, feierte Emil Nolde (1867 bis 1956) das "Material des Malers" mit Aphorismen wie "Farben in ihrem Eigenleben, weinend und lachend, Traum und Glück, heiß und heilig, wie Liebeslieder und Erotik, wie Gesänge und Choräle".

In seinen Tagebuchnotizen von 1911 berichtete der Maler, einer der profiliertesten Vertreter des deutschen Expressionismus, von "Schwingungen in Silberglockenklang und Bronzegeläute, kündend Glück, Leidenschaft und Liebe, Blut und Tod".

"Emil Nolde. Die Pracht der Farben" heißt eine Ausstellung, mit der das Frieder-Burda-Museum in Baden-Baden effektvoll den Sommer einläutet. Es ist seit vielen Jahren die erste Ausstellung des Schleswig-Holsteiners in Süddeutschland. Gezeigt werden 58 der farbstrotzenden Gemälde und 22 intensiv leuchtende Aquarelle von den Anfängen bis zum Spätwerk. Sie decken das gesamte Spektrum ab – Landschaften, Figurenbilder und Porträts sowie religiöse Motive (etwa "Josephs Versuchung", 1921).

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Nolde-Stiftung Seebüll und wird von Manfred Reuther, dem ehemaligen Direktor der Stiftung, kuratiert. "Noldes künstlerische Entwicklung war von Anbeginn seines bildnerischen Arbeitens der Weg zur Farbe als seinem eigentlichen Ausdrucksmittel", so der Ausstellungskurator über den früh vollendeten Maler.

Loderndes Rot wie in "Großer Mohn" oder "Tropensonne", leuchtendes Blau wie in "Blumengarten (O)" oder flammendes Gelb wie im Kleid einer "Tänzerin" dominieren. Dass Nolde aber auch Meister verhaltener Töne war, zeigen Gemälde wie "Das Meer III", in dem helle Gischt über düster-aufgewühlten Wellen schäumt, und auch ein Selbstporträt in zarten Grauabstufungen.

Ein gewichtiger Teil der Ausstellung ist den Aquarellen gewidmet. Kurator Manfred Reuter: "Die Eigenart der Wasserfarben kam seinem Streben nach Spontaneität und unmittelbarer Ausdrucksweise entgegen." Darunter sind auch einige Blätter aus der insgesamt 1300 Arbeiten umfassenden Serie der "Ungemalten Bilder" zu sehen – kleinformatige Aquarelle, die der Künstler vor allem während des über ihn verhängten Malverbots zwischen 1941 und 1945 in seinem Atelier in Seebüll "aus der Phantasie" gemalt hat.

Emil Nolde. Die Pracht der Farben

Baden-Baden, Museum Frieder Burda
15.6. bis 13.10.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Katalog: Snoeck Verlag, im Museum 29 Euro
http://www.museum-frieder-burda.de/Ausstellungen.9.0.html