Tomás Saraceno - Düsseldorf

Drei Tonnen Schwerelosigkeit

Seine netzartigen Skulpturen und städtischen Zukunftsutopien lehrten seine Besucher das Träumen, nun versetzt er sie in der Ausstellung "in orbit" in eine Art Schwebezustand: Tomás Saraceno im K21 Ständehaus in Düsseldorf.

Längst geben sich Museen nicht mehr damit zufrieden, Kunstwerke in klassischer Manier zu präsentieren. Auf Zeit verwandeln sich die Häuser in Erlebnisparks, in denen das Publikum riesige Skulpturen begehen oder in fantastische Lichtwelten eintauchen kann.

Mal geht es dabei spielerisch zu wie bei Carsten Hollers Rutschen, mal monumental wie bei Anish Kapoors Leviathan im Pariser Grand Palais und mal futuristisch wie in den Arbeiten des in Argentinien geborenen und derzeit in Berlin lebenden Tomás Saraceno (Jahrgang 1973).

Bekannt wurde Saraceno, der sowohl Architektur als auch Kunst studiert hat, mit Modellen schwebender Städte, für die er die Bau- und Designutopien eines Richard Buckminster Fuller mit den Strukturen von Seifenblasen und Spinnennetzen kombinierte. In diesen verführerischen Wolkenkuckucksheimen entspannen die Bewohner in Hängematten oder flanieren durch Raumstationen aus durchscheinenden Kokons. Saraceno hat seine Entwürfe im Hamburger Bahnhof in Berlin und im New Yorker Museum of Modern Art auf menschliche Größe gebracht und einem Praxistest unterzogen. Für das Düsseldorfer K21 Ständehaus hat der Künstler jetzt eine weitere Installation gebaut, deren Titel "in orbit" mit dem Versprechen, schwerelos zu werden, spielt. Unter der Glaskuppel des Ständehauses ließ er rund 20 Meter über der Piazza auf drei Ebenen moderne Sicherheitsnetze spannen, die von riesigen PVC-Kugeln auf Abstand gehalten werden.

Diese Trapezwelt, in der man auch Nervenstränge oder kosmische Bahnen erkennen kann, ist für Besucher ab zwölf Jahren nach einer Sicherheitseinweisung zugänglich. Aus der Höhe soll das Entree des Museums zum Modell schrumpfen, während die Wanderer in den Netzen vom Boden aus wie Schwimmer erscheinen. Großer Zirkus also, der zugleich eine technische Kraftanstrengung ist: Allein die Netzkonstruktion wiegt drei Tonnen, die größte Kugel immerhin 300 Kilo.

Tomás Saraceno: in orbit

Termin: bis Herbst 2014, K21 Ständehaus, Düsseldorf

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Zur Ausstellung gibt es statt eines Katalogs den Band "Cloud Cities – Tomás Saraceno", Distanz Verlag, 29 Euro,

Parallel zu "in orbit" zeigt die Kunstsammlung im Ständehaus einen neuen Künstlerraum von Tomás Saraceno
http://www.kunstsammlung.de/entdecken/ausstellungen/tomas-saraceno.html

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