Miranda July - Emails

Miranda July in der Inbox

Post von Kirsten Dunst, Danh Vo und Kareem Abdul-Jabbar – das Kunstprojekt "We Think Alone" leitet Emails von prominenten Bekannten der Künstlerin Miranda July an Unbekannte weiter.

Am Montagmorgen, wenn der Alltag wieder losgeht und man sich durch unerledigte Emails wühlt, kann es nicht schaden, eine private Nachricht von Miranda Julys Freunden zu erhalten. Hollywood-Star Kirsten Dunst berichtet über ihr Auto, das sie für 7000 Dollar einer Freundin verkauft hat, die den Betrag abstottern muss. Filmemacherin Lena Dunham, die hinter der gefeierten US-Fernsehserie "Girls" steckt, lässt ihre Assistentin wissen, dass die neue Couch für 24 000 Dollar doch zu teuer ist. Die Modedesign-Schwestern Rodarte fragen sich, ob sie das Geld, das sie für falsche Nadeln ausgegeben haben, zurückerstattet bekommen.

Die in L.A. lebende Filmemacherin und Künstlerin July war vom Stockholmer Museum "Magasin 3" mit einem Email-Projekt beauftragt worden. Mit dem Web als Plattform hatte sie bereits in der Vergangenheit gearbeitet. Das sieben Jahre andauernde Internet-Projekt "Learning To Love You More", in dem July gemeinsam mit dem Künstler Harrell Fletcher der Öffentlichkeit Aufgaben erteilte, wurde vom San Francisco Museum of Modern Art erworben. Für das Magasin-3-Projekt fragte July bei Freunden und entfernten Bekannten an, ob sie private Emails, die sie in der Vergangenheit verschickt hatten, für eine wöchentliche Sammel-Email zur Verfügung stellen würden. Das Ganze hat etwas von klassischen Tagebuch-Eintragungen und geht jeden Montag an interessierte Abonnenten in aller Welt.

Die Empfänger bleiben anonym, Email-Adressen werden ebenfalls nicht öffentlich gemacht. Die groben Themen der Emails gab July vor. Für ihr Projekt konnte sie neben Dunst, Dunham und den Rodarte-Schwestern Basketball-Legende Kareem Abdul-Jabbar, die Künstlerin Catherine Opie, ihren in Berlin lebenden Kollegen Danh Vo oder den israelischen Schriftsteller und Filmemacher Etgar Keret und Physiker Lee Smolin gewinnen. In der ersten Woche kreisten die Emails um das Thema Geld. In der zweiten ging es um Lebenshilfe: ob in Sachen Liebe, Schulausbildung oder Karriereplanung. So mahnt "Tante Opie" einen jungen Schützling an, härter zu büffeln – und nicht wie sie selbst mit 16 die Schule zu vernachlässigen, um Party zu machen. Und Lena Dunham warnt eine Freundin, die sich offensichtlich in einer Problembeziehung befindet: "Er ist nicht nett. Er sagt Dinge, die nicht nett sind mit einer netten Stimme, damit sie nett erscheinen."

"Ich versuche immer, meine Freunde dazu zu gewinnen, mir Emails weiterzuleiten, die sie an andere Leute – an ihre Mutter, ihren Freund, ihren Agenten – geschickt haben. Je banaler, desto besser", schreibt Miranda July über ihr Projekt. "Wie sie sich in den Emails geben, ist so intim, fast obszön – ein flüchtiger Eindruck von ihnen aus ihrem eigenen Blickwinkel." 20 Wochen wird das Email-Experiment andauern. Wer die privaten Gedanken von Julys Email-Freunden am Montag in seiner Inbox vorfinden will, registriert sich einfach bei: wethinkalone.com

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