Simon Denny - Wien

Kitschkunst und Datenraub

Kommunikation und Neue Medien sind Hauptthemen des Neuseeländers Simon Denny. In seiner Ausstellung im Museum Moderner Kunst in Wien macht er Megaupload-Gründer Kim Dotcom und dessen Konsumverhalten zum Thema der Wahl.

Wie kommt ein junger neuseeländischer Künstler, der in Berlin lebt, zu einer Einzelausstellung im Wiener Museum Moderner Kunst? Über einen Schweizer Kunstpreis natürlich. 2012 war Simon Denny, Jahrgang 1982, einer der Gewinner des "Baloise Art Prize". Soweit der äußere Anlass. Außerdem hatte Mumok-Kurator Matthias Michalka Denny schon vor fast zehn Jahren kennengelernt, im Umfeld seiner großen Fernseh-Ausstellung "X-Screen".

Denn Kommunikation und die Entwicklung der "Neuen Medien" sind Hauptthemen des Städelschul-Absolventen. Klar, dass Denny da an dem Skandal rund um Kim Dotcom nicht vorbei konnte, der Geschichte eines in Neuseeland lebenden Deutschen, der eine der international beliebtesten Plattformen zum Austausch von Daten betrieb. Nicht unbedingt im Einvernehmen mit allen Coypright-Regeln. Was dazu führte, dass "Filehoster Megaupload" 2012 auf Betreiben eines US-amerikanischen Gerichts geschlossen wurde, und Kim Schmitz (so sein bürgerlicher Name) wegen Insiderhandels, Hehlerei, Datenausspähung und anderer Vergehen rechtskräftig verurteilt wurde.

Was in Neuseeland eine riesige Diskussion über Eigentum und Besitz in digitalen Zeiten auslöste, erklärt Michalka – Kim Dotcom wurde zu einer Art Freiheitskämpfer stilisiert. Bis bei einer Razzia in seinem Haus eine Unsumme von Luxusgütern beschlagnahmt wurde, aber auch Kunstwerke, "die sich auf einem schmalen Grat zwischen Kitsch und Kunst befinden", so Michalka.

Die Liste des materiellen Besitzes wurde online gestellt. Denny baut sie im Mumok jetzt nach, mit originalen Stücken wie einem Jetski oder Stellvertretern wie den Kennzeichen, die Kim Dotcom für seine Autos ausgewählt hatte. Eine eindeutige Wertung des Falls will Denny aber vermeiden, es soll auch kein Fingerzeig darauf sein, wie geschmacklos das Konsumverhalten "Kim Dotcoms" gewesen sei, sagt Michalka. Vielmehr soll "die paradoxe Diskussion in ihrer Ambivalenz dargestellt werden."

Simon Denny – The Personal Effects of Kim Dotcom

Termin: bis 13. Oktober, mumok – Museum Moderner Kunst, Wien

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Es erscheint ein Katalog
http://www.mumok.at/programm/ausstellungen/simon-denny/

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