Auf Zeit - Baden-Baden/Bielefeld

Unterm Putz geht’s weiter

Von Lawrence Weiner bis Elmgreen & Dragset – mit Werken zweier Künstlergenerationen zeigen die Kunsthallen in Baden-Baden und Bielefeld in der Ausstellung "Auf Zeit" Malerei auf und in der Wand.
Auf den Putz gehauen:Wandmalerei seit den sechziger Jahren

Lawrence Weiner entfernt gerade eins seiner Wandbilder. Lawrence Weiner: "Removal to the Lathing or Support Wall of Plaster or Wallboard from a Wall", 1968

Buchstäblich auf den Putz zu hauen galt in den sechziger und siebziger Jahren als rebellisch. Nicht nur mit dem Hammer und jeder Menge Lust am Rohbau, sondern auch mit Farbe und Pinsel wurde der neutralen weißen Ausstellungszelle zu Leibe gerückt.

Hier und jetzt – in situ und für eine festgesetzte Zeit – wurde abgeschlagen, aufgebrochen, markiert und bemalt, um die Grenzen des Tafelbildes abermals zu überwinden. Wenn nicht auf, so wartete das Bild spätestens unterm Putz. Damals ließ sich noch bequem aus allem aussteigen, was die Moderne gedacht und gemacht hatte. Heute, da Künstler nicht mehr so recht wissen, welche Grenzen sie attackieren sollen, werden solche Aktionen nun wieder beschworen.

Gleich zwei Ausstellungen, die parallel in Baden-Baden und Bielefeld stattfinden, werfen einen Blick darauf, wie Wand und weiße Zelle seit den sechziger Jahren bearbeitet wurden. Unter dem gemeinsamen Titel "Auf Zeit" werden historische Wandarbei­ten rekonstruiert, wird aber auch ein Bogen in die Gegenwart geschlagen, in der die einst rebellische Geste, aus der eben keine leicht verkäufliche Ware hervorging, eher als routinierte Gestaltungsarbeit fortgesetzt wird.

In Baden-Baden sind es Wandarbeiten von Sol LeWitt, Lawrence Weiner und Blinky Palermo, die wiedererstehen. Wie es die Zeitgenossen machen, zeigen Franz Ackermann und Malene Landgreen ebenso wie Elmgreen & Dragset, Pierre Huyghe, Gabriel Kuri, Liz Larner, Christl Mudrak und Nedko Solakov. Ergänzt werden die Bilder, die auf und in der Wand entstehen, von einer Dokumentation jener hauseigenen Ausstellungen, in denen Daniel Buren, Günther Förg, Hamish Fulton, Gerhard Merz, Helmut Middendorf, Blinky Palermo, Giuseppe Penone, Karin Sander und K.R.H. Sonderborg Wandarbeiten realisiert haben.

In Bielefeld sind es historische Arbeiten von Sol LeWitt, Richard Tuttle und Blinky Palermo, die wiederholt werden, um sodann die Folgen des "Ausstiegs aus dem Bild" (Laszlo Glozer) und das Arbeiten an und außerhalb klassischer Bildgrenzen anhand abstrakter, figurativer und Text einsetzender Arbeiten von Richard Wright, Michel Majerus, Karin Sander, Josh Smith, Rinus Van de Velde, Arturo Herrera oder Lawrence Weiner weiterzuverfolgen. Direkt auf der Wand, versteht sich.

Auf Zeit

20. Juli bis 27. Oktober: "Auf Zeit – Was hinter dem Putz steckt",
Kunsthalle Baden-Baden

4. August bis 20. Oktober: "Auf Zeit – Wandbilder – Bildwände",
Kunsthalle Bielefeld

Ein gemeinsamer Katalog erscheint im Verlag Walther König im September,
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