Slapstick! - Wolfsburg

Humor mit dem Schlagstock

Was haben Schlagstock und Tortenschlacht mit Kunst zu tun? Das Kunstmuseum Wolfsburg untersucht die Auswirkung von Slapstick-Filmen auf die Kunst der Gegenwart.

Schadenfreude soll ja angeblich die schönste Freude sein. Nach diesem Prinzip mischten sich vom 16. bis 18. Jahrhundert Narren, mit Pritschen bewaffnet, unter die Zuschauer der italienischen Commedia dell’ Arte und neckten sie mit raschen, unerwarteten Hieben.

Die Nichtbetroffenen lachten sich schlapp, die Stimmung war angeheizt. Noch heute unterhalten solche Clowns, "Atsaras" genannt, bei den buddhistischen Tempelfesten im Himalaya-Staat Bhutan die Gläubigen. Ob Besucher des Volkstheaters oder sanftmütige Buddhisten: In beiden Fällen brandet unverhohlen schadenfrohes Gelächter auf. Wenn von Slapstick-Komödien, ob auf der Bühne oder im Film, die Rede ist, weiß man sofort: Hier wird nicht mit dem Florett, sondern mit dem "Schlagstock" (so die Übersetzung des englischen Begriffs) gearbeitet. Keine geschliffenen, pointierten Dialoge, sondern körperbetonte Aktionen. Das reicht von den ganz simplen Entgleisungen wie "Mann kriegt Sahnetorte ins Gesicht" bis zu den filigranen Inszenierungen eines Charles Chaplin, etwa in "Goldrausch" (legendär: die Schnürsenkel-Spaghetti und das Brötchen-Ballett) oder der Kampf gegen die Tücken der Technik in "Moderne Zeiten".

Das Kunstmuseum Wolfsburg untersucht nun, welche Auswirkungen Slapstick sogar auf die Gegenwartskunst ausübt. Die Ausstellung "Slapstick!" ist in zehn Kapitel unterteilt, jedes nimmt den Ausschnitt aus einem Film zum Ausgangspunkt. So liefern sich beispielsweise nicht nur Laurel & Hardy in ihrem berühmten "Battle of the Century" eine Tortenschlacht, sondern auch die Vernissage-Gäste von Alexej Koschkarow im "Malkasten" in Düsseldorf im Jahr 2000.

Den Klassiker "Mann rutscht auf Bananenschale aus" hat der Kubaner Wilfredo Prieto mit seinem Objekt aus Schmierfett, Seife und Banane auf die Spitze getrieben. Der Amerikaner Gordon Matta-Clark bezieht sich in seinem Videofilm "Clock-shower" auf den Stummfilm-Stoiker Harold Lloyd und seinen Kampf mit der Hochhausuhr. Gelegenheit zur slapstickhaften Selbsterfahrung bieten dem Besucher die deformierten Bänke von Jeppe Hein und der "Fressenpolierer" von Szymon Kobylarz oder "Der erste sitzende Stuhl (nach langem Stehen sich zur Ruhe setzend)" von Timm Ulrichs.




Diese und weiterere Ausstellungsempfehlungen finden sie in der August-Ausgabe der art. Und hier können Sie das Heft bestellen.

Slapstick!

Termin: bis 2. Februar 2014, Kunstmuseum Wolfsburg

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.kunstmuseum-wolfsburg.de/exhibition/129/Slapstick!_Al%C3%BFs,_Bock,_Chaplin,_Hein,_Laurel_&_Hardy,_Keaton,_Matta-Clark_u.a.