Walter Eisler - Hagen

Grübeln über Architektur

Betrachtet man seine Bilder, weiß man um seine Leidenschaft für das Rätselhafte und Träumerische der Architektur. Das Osthaus-Museum widmet dem in Hamburg lebenden Leipziger Maler Walter Eisler eine Werkschau.

Unter grünem Himmel und rosa Wölkchen schiebt sich ein Wohnhaus aufs Meer hinaus. Oder ist es eine Festung?

Halb ähnelt es einem Bunker, halb einer Sternwarte, nur das Dach ist eindeutig eine Treppe und führt zu einer roten, für die Maße des Gebäudes seltsam klein geratenen Fahne. Auch der Baumeister, der dem Bild von 2009 den Titel "Der Architekt" gibt und sich im Inneren über eine Skizze beugt, verliert sich beinahe in einem der riesigen Fensterrahmen. Alles spricht dafür, dass er über eine Architektur grübelt, die weder ihn noch andere Menschen braucht und die sich durch das gesamte Werk des Malers Walter Eisler (Jahrgang 1954) zieht.

Im Hagener Osthaus-Museum ist jetzt eine rund 30 Gemälde zählende Werkschau des in Hamburg lebenden Eisler zu sehen. Gebäude in Stadt und Land gehören zu seinen Lieblingsmotiven, die er in gegenständliche und stets weitgehend menschenleere Bilder fasst. Dabei kommt einem rasch die metaphysische Fantastik eines Giorgio de Chirico in den Sinn, aber auch die Werke der naiven Malerei. Auf eigenartige Weise wirken Eislers Gemälde zugleich streng und verspielt, am deutlichsten wird dies vielleicht in "Domino Sugar (2002), der pseudo-neusachlichen Ansicht einer Zuckerfabrik.

Dass Walter Eisler zur alten Leipziger Schule gehört, bei Volker Stelzmann studierte und der Sohn von Bernhard Heisig ist – Eisler trägt den Namen seiner Mutter –, sieht man am ehesten seinen Königsbildern an. In dieser Werkgruppe porträtiert er einen alten König, der mal wie die Bühnenfigur King Lear erscheint und mal als überlebensgroße Spielfigur von einem Kran aufs Schachbrett gewuchtet wird. Seine Krone scheint ihm eine Last zu sein: Mehr trauriger Narr als stolzer Herrscher blickt uns Eislers König aus vielen Gemälden an. In seinen Augen liegt eine existentielle Verlorenheit, die einen auch vor Eislers entvölkerten Stadtlandschaften beschleicht.

Walter Eisler

bis 1. September,
Osthaus-Museum,
Hagen

http://www.osthausmuseum.de/web/de/keom/index.html