Mexiko: Revolution in der Kunst - London

Der entfesselte Tiger

Die mexikanische Revolution war nicht nur ein politisches Erdbeben, sondern entfachte auch ein kreatives Feuerwerk in der Kunst, zeigt eine Ausstellung der Royal Academy.

"Sie haben einen Tiger losgelassen. Warten wir ab, ob Sie ihn bändigen können." Das soll José de la Cruz Porfirio Díaz Mori 1911 gesagt haben, als er auf dem Weg ins französische Exil in der mexikanischen Hafenstadt Veracruz angekommen war.

Die 1910 begonnene Revolution hatte den langjährigen Präsidenten Mexikos gestürzt, zehn Jahre des Blutvergießens folgten, ehe das Land zur Ruhe kam. Was Díaz nicht voraussah, war, dass der Tiger auch einen großen künstlerischen Appetit entwickeln würde.

Mit dieser Blütezeit der Kunst in den 30 Jahren vom Beginn der mexikanischen Revolution bis zu ihrem Ende im Jahr 1940 befasst sich die Schau in der Royal Academy. Nicht nur die einheimischen Künstler reagierten auf das neue politische Umfeld, sondern auch Gäste aus dem Ausland.

Die kulturelle Renaissance des Landes wurde vom neuen Staat eingeleitet und finanziell gefördert. Das Erziehungsministerium in Mexiko-Stadt machte Künstler zu festangestellten Mitarbeitern mit regelmäßigen Gehältern, die mit ihrer Arbeit die politischen Ziele der Revolution fördern sollten. Die Kunst wurde als Symbol für die Kreativität und den Fleiß der Nation angesehen und den Prinzipien der Revolution gleichgestellt.

An der Spitze dieser Bewegung standen "Los Tres Grandes" – Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Siqueiros. Die Mitglieder der Gruppe der "Muralisten" traten vor allem durch großformatige Wandgemälde mit revolutionären Motiven hervor, die sich auch stark an präkolumbische Kunst anlehnen. In der Schau sind sie mit Gemälden und Grafiken vertreten, wie Riveras "Tanz in Tehuantepec" (1928) und Orozcos "Barrikade" (1931). Doch auch die ganz private künstlerische Welt von Riveras Lebensgefährtin Frida Kahlo, von der eines ihrer berühmten Selbstporträts zu sehen ist, florierte in dieser Atmosphäre.

Von den ausländischen Besuchern, die Mexiko auch wegen seiner Landschaft und seiner Kulturgeschichte anzog, sind vor allem Fotografen hervorzuheben, etwa Henri Cartier-Bresson mit seinen Schnappschüssen des Alltags in der Hauptstadt oder Robert Capa mit seinen politischen Reportagen. Doch auch Maler leisteten ihren Beitrag, wie der US-Amerikaner Philip Gus­ton, der ganz in der revolutionären Begeisterung aufging.

Mexico: A Revolution in Art 1910–1940

London, Royal Academy of Arts
Bis 29.9.

Der Katalog kostet 24,95 Pfund in der Ausstellung,
35 Pfund im Buchhandel

http://www.royalacademy.org.uk/exhibitions/mexico/

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