Biennale der Künstler - München

Wenig Sprengstoff im Haus der Kunst

Mit Gastausstellungen tut sich das Haus der Kunst in München schon lange schwer. Die Biennale der Künstler soll nun das Niveau heben, wirkt mit ihrer lahmen ersten Ausstellung aber eher wie ein sorgsam austarierter Kompromiss zwischen den teilnehmenden Künstlervereinigungen.

Seit 1949 findet im Münchner Haus der Kunst die "Große Kunstausstellung" statt. Als legitimer Nachfolger der nationalsozialistischen Leistungsschau wurden bei diesen Verkaufsausstellungen vor allem Werke einer vorwiegend konservativen Münchner Künstlerschaft präsentiert.

Inzwischen haben hier nun jüngere Künstler das Sagen. Sie versuchen mit Themenausstellungen und einer Auswahljury das oft sehr unterschiedliche Niveau zu heben. Die Direktoren im Münchner Haus der Kunst, die ab den neunziger Jahren ein ehrgeiziges Programm für das Gebäude entwickelten, empfanden die Gastausstellungen als ein notwendiges Übel, das man einfach hinter sich bringen musste. Denn für Außenstehende war oft nicht ganz klar, ob es sich dabei nicht doch um ein hauseigenes Event handelte.

Diese Probleme plagen auch den neuen Direktor Okwui Enwezor. Zwar nahm er an einer prominent besetzten Podiumsdiskussion aus Anlass der Eröffnung teil. Auf der hauseigenen Webseite oder den großen Tafeln im neugestalteten Eingangsbereich sucht man einen Hinweis auf die Ausstellung aber vergebens. Verschämt an einer Säule findet sich ein kleiner gedruckter Zettel, der den Weg in den Westflügel zur 1. Biennale der Künstler im Haus der Kunst weist.

"Vanity Flair – Luxus und Vergänglichkeit" ist das Thema der diesjährigen Ausstellung, die im Westflügel unter der "Ausstellungsleitung GKA im Haus der Kunst" stattfindet. Wie eine Biennale soll sie nur noch alle zwei Jahre stattfinden, um das Niveau zu heben. Es gibt Werke von 58 Euro für ein Auflagenobjekt von Patricia London Ante Paris bis hin zu einer Goldschale von Karl Fritsch für 65 700 Euro. Das breite Mittelfeld bewegt sich in einer Preisspanne zwischen 1 000 und 10 000 Euro. Dabei reicht das Spektrum von Videos, Fotografien und Zeichnungen über Skulpturen bis hin zu großen Installationen. Das vorgegebene Thema bietet nur einen lockeren Referenzrahmen für die Arbeiten: Insgesamt erscheint die Ausstellung so heterogen, wie die Jahresausstellungen der Kunstakademie. Der Eindruck wird durch die Vielzahl der jungen Absolventen, die in diesem Jahr dabei sind, noch unterstützt. So gibt es ein Wiedersehen mit den überlebensgroßen Fantasy-Kriegern von Ulla Reiter, die sie mit einem Döner-Messer aus riesigen Schaumstoffblöcken schneidet, den barock anmutenden Wandassemblagen von Constanze Stumpf und den Videos des Künstlerduos Clea Stracke und Verena Seibt. Selbst Dieter Rehm, Rektor der Münchener Kunstakademie, ist mit einer Fotoarbeit vertreten.

Eine kuratierte Ausstellung ist die Ansammlung verschiedener Kunstwerke unterschiedlichen Genres deshalb noch nicht, auch wenn die Zahl der teilnehmenden Künstler gegenüber früher stark reduziert wurde. Sie erscheint vielmehr wie ein sorgsam austarierter Kompromiss zwischen den teilnehmenden Künstlervereinigungen. Zum Thema Luxus und Vergänglichkeit hätte man in Zeiten der Finanzkrise schon mehr Sprengstoff erwartet.

1. Biennale der Künstler, München

Die 1. Biennale der Künstler trägt den Titel "Vanity Flair – Luxus und Vergänglichkeit" und läuft noch bis zum 4. Oktober 2013, Haus der Kunst, München

Haus der Kunst

http://www.kunstbiennale-muenchen.de