Richard Jackson - München

Farbkugeln aus dem Luftgewehr

Technikbegeistert und farbverliebt ist Richard Jackson. In München zeigt er der Villa Stuck nun, dass die Grenzen der Kunst ihn nicht aufhalten. Unordnung, Ironie und Provokation sprechen aus seinen Arbeiten in der Villa Stuck.

Der Motor des gelben Ford Pinto heult laut auf. Aber statt der Räder drehen sich nur zwei überdimensionale Bälle an den Achsen.

Richard Jackson hat den Wagen in eine Malmaschine für Action Paintings verwandelt. Eimerweise schütten Helfer dünnflüssige Farbe auf die rotierenden Bälle. Farbspritzer fliegen nach allen Seiten. "Mal sehen, was passiert", kommentiert der Künstler das Spektakel.

Die Arbeit "Painting with Two Balls" von 1997 ist eines seiner "Painted Environments", raumgreifende Installationen, die als Zeugnis seiner performativen Malaktionen zurückbleiben. Sie sind ein ebenso ironischer, wie auch intelligenter Kommentar zum Action Painting, einer Kunstrichtung, die sich in den fünfziger Jahren in den USA etabliert hat. "Wenn man in eine Tätigkeit oder einen Prozess einsteigt, kann etwas schiefgehen, und das ist gerade der Punkt, an dem es interessant wird", erklärt der Künstler.

Seine Liebe zur Technik kommt nicht von ungefähr. Denn Jackson absolvierte ein Ingenieurstudium, bevor er als Künstler Karriere machte. "Ain't Painting a Pain" (Ist die Malerei nicht eine Qual) nennt er seine große Werkschau in der Villa Stuck. Zu sehen sind Installationen, Gemälde, Wandmalerei und Zeichnungen von 1969 bis 2012.

Bekannt wurde der 1939 in Sacramento geborene und in Los Angeles lebende Künstler durch seinen respektlosen Umgang mit der Geschichte der US-amerikanischen Malerei vom Abstrakten Expressionismus bis hin zur Minimal Art. Für seine "Stacked Paintings" stapelt er bemalte und auf Keilrahmen gespannte Leinwände zu minimalistischen Skulpturen, oder er versucht sich als Pointillist, indem er Georges Seurats Meisterwerk "La Grande Jatte" mittels Farbkugeln und einem Luftgewehr auf die Leinwand schießt.

Aber er geht auch einen anderen Weg, bekannte Gemälde der Kunstgeschichte als lebensgroße Skulpturengruppe im dreidimensionalen Raum zu reinszenieren: Für seine Installation "The Laundry Room (Death of Marat)" stand etwa Jacques-Louis Davids bekanntes Revolutionsbild "Der Tod des Marat" Pate. Für die Ausstellung in der Villa Stuck hat er ein zwölf Meter langes Wandgemälde für das ehemalige Maleratelier des Künstlerfürsten Franz von Stuck geschaffen. Eine Qual ist die Malerei für Richard Jackson jedenfalls nicht. Auch wenn das der Ausstellungstitel "Ain't Painting a Pain" vermuten lässt. Es ist ein lustvolles Spiel, bei dem die Konventionen der Kunstgeschichte humorvoll hinterfragt werden.

"Ain't Painting A Pain. Malerei und Installationen 1969-2012"

Die Ausstellung von Richard Jackson in der Münchner Villa Stuck läuft noch bis zum 13. Oktober 2013.

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Der Katalog zur Ausstellung ist im Prestel Verlag erschienen und kostet 49,95 Euro.
http://www.villastuck.de/ausstellungen/2013/jackson/index.htm

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