Eberhard Havekost - Duisburg

Das Gleiche ist nicht dasselbe

Kunst entsteht durch Sehen. Entsprechend dürfen Anleihen bei Gerhard Richter oder Francis Bacon im Werk des weltweit erfolgreichen Berliner Malers Eberhard Havekost nicht verwundern. Dass Originalität auch in Kopien besteht, beweist er in seiner Ausstellung "Titel" im Museum Küppersmühle in Duisburg mit selbstreflexivem Dreh.

Francis Bacon hatte im Chaos seines Ateliers stets eine Kiste mit Bildern aus Illustrierten, Büchern und Zeitungen griffbereit. Manche dieser Vorlagen für seine Gemälde wurden später als Dokumente fotografiert und in Büchern abgebildet. In einem solchen Bacon-Bildband hat Eberhard Havekost (Jahrgang 1967) die Vorlage für sein Ölgemälde "Dokument, B11" (2011) gefunden.

Es zeigt, stark vergrößert, zwei Aufnahmen eines menschlichen Auges. Dieses unscheinbare Bild aus der Havekost-Schau im Museum Küppersmühle passt ganz wunderbar zum Titel der Ausstellung. Der lautet nämlich "Titel" und ist so nichts- wie vielsagend, weil er das Gleiche einfach noch einmal sagt, ohne dass es deswegen dasselbe ist. Auch Havekosts malerisches "Dokument" fügt Bacons Vorbild nichts wirklich Neues hinzu. Aber es gibt der Einsicht, dass sich die Malerei immer von anderen Bildern ernährt, einen weiteren selbstreflexiven Dreh.

Eberhard Havekost arbeitet wie Bacon nach fotografischen Vorlagen, wechselt aber fast nach Belieben zwischen den Stilen. Mal malt er fotorealistisch, mal unscharf wie Gerhard Richter, mal großflächig abstrakt. Seine in Duisburg gezeigte Bacon-Hommage ist auch deswegen ein zentrales Werk der rund 100 jüngere Gemälde umfassenden Schau, weil Havekost die Arbeitsweise des britischen Malers gewissermaßen in deren Gegenteil verkehrt. Während Bacon seine Vorbilder mit malerischen Mitteln verfremdete, bearbeitet Havekost die seinen am Computer, um das fertige Motiv dann eins zu eins auf die Leinwand zu übertragen.

In den letzten fünf Jahren, sagte Havekost bei der Eröffnung seiner Schau, habe er sein Werk noch einmal "extrem geöffnet". Am deutlichsten wird dies in der zehnteiligen Serie "Jetzt" (2010), die scheinbar zusammenhanglose Motive und Malstile versammelt und sogar zwei "freihändig", ohne konkre­tes Vorbild entstandene abstrakte Gemälde enthält. Man sieht das Auge eines Reptils, fallende Haarsträhnen, das Porträt eines Mannes, monochrome "Flatscreen"-Bilder, rein gestische Malereien, und die einzigen Ordnungskräfte in diesem alles und nichts abbildenden Durcheinander sind das Auge und die Hand des Malers. Auch das ist eine alte Erkenntnis. Dafür dreht Eberhard Havekost die Schraube der Selbstreflexion erneut ein Stückchen weiter, als es die meisten seiner Kollegen tun.

Titel. Eberhard Havekost – Akademos

bis 20. Oktober,
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst,
Duisburg,
Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt,
Der Katalog zur Ausstellung ist im Wienand Verlag erschienen und kostet 28,50 Euro
http://www.museum-kueppersmuehle.de/ausstellungen/aktuelle-ausstellung-titel-eberhard-havekost-akademos/