Australia - London

Eine Geschichte aus dem Busch

Am Anfang waren die Aborigines. Dann kamen die Strafgefangenen, vertrieben aus ihrer Heimat. Die Entwicklung Australiens seit dem Landen der ersten Siedler präsentiert eine Ausstellung in der Londoner Academy of Arts. "Australia" zeigt den Umgang mit Landschaft von Eingeborenen und Zugezogenen und verbindet die Historie mit der Kunst des Hier und Jetzt.

"Der Drang, die Landschaft zu malen, geht Hand in Hand mit dem Wunsch, mehr von den Geschichten zu hören, die sich in der Landschaft abspielen."

So schrieb der Maler Sidney Nolan 1948 im Hinblick auf seine Serie über den legendären australischen Nationalhelden Ned Kelly, für viele die Verkörperung des rebellischen, antiautoritären Charakters der Australier. Die Serie sei, so fuhr Nolan fort, "eine Geschichte, die aus dem Busch aufsteigt, und im Busch endet".

Sydney Nolan ist zusammen mit Arthur Boyd die dominierende Figur der australischen Nachkriegskunst. Er vor allem füllte die so kontrastreiche Landschaft des Kontinents mit menschlichem Drama. Doch die umfassende Übersichtsschau in der Royal Academy geht zurück bis zu den Anfängen der Kunst der ehemaligen britischen Kolonie, die von aus der Heimat verbannten englischen Strafgefangenen besiedelt wurde.

Die ersten Künstler arbeiteten um 1800 noch ganz in der Tradition europäischer Landschaftsmalerei eines Turner oder Constable, doch schon bald wurde ihnen und ihren unmittelbaren Nachfolgern die Einmaligkeit von Flora und Fauna und auch des Lichts bewusst, und sie fanden ihre eigene Handschrift. Eine Gruppe australischer Impressionisten um den Maler Tom Roberts, der an der Londoner Royal Academy ausgebildet wurde, folgten ihren französischen Vorbildern und arbeiteten plein air.

Die Künstler des 20. Jahrhunderts versuchten dann immer mehr der Tatsache gerecht zu werden, dass 85 Prozent der Bevölkerung in Städten lebt. Doch Landschaft blieb ein wichtiges Thema. Einen besonderen Platz in der Schau nimmt die Kunst der Ureinwohner ein, die mehr als 60 000 Jahre alt ist, deren Bedeutung aber erst in den letzten Jahrzehnten gewürdigt wurde. Ihr Verständnis von Landschaft unterscheidet sich fundamental von dem der weißen Siedler: Sie sehen Landschaft als eine Art zweite Haut, als Erweiterung des eigenen Körpers. Ihre auf uralten Mustern beruhende abs­trakte Kunst ist nicht erzählerisch, sondern tief symbolisch. Die in der Stadt aufgewachsenen jüngeren Vertreter der Kunst der Ureinwohner wie Robert Campbell Jr. brachten dagegen eine dezidiert politische Dimension mit ein.

Die Schau endet mit heute praktizierenden Künstlern wie der Fotografin Tracey Moffat, einer der bedeutensten Protagonisten der australischen Kunstszene, und Simryn Gill, die sich in ihren Videos und Installationen mit Geschichte und Mythen der Ureinwohner auseinandersetzt, und ihr Land auf der diesjährigen Biennale in Venedig vertritt.

Australia

Die Ausstellung ist vom 21. September bis zum 8. Dezember in der Royal Academy of Arts in London zu sehen.

Der Katalog zur Ausstellung kostet 27,95 Pfund.
http://www.royalacademy.org.uk/exhibitions/australia/