Georges Braque - Paris

Freundschaft und Konkurrenz

Es ist seine erste große Werkschau seit 40 Jahren, die das Grand Palais in Paris zeigt: Georges Braque, der zusammen mit Pablo Picasso die kubistische Malerei erfand.

Mehrere Jahre lang, ab 1908, besuchten der damals 26-jährige Georges Braque, aus Le Havre nach Paris gekommen, und sein spanischer Kollege Pablo Picasso einander fast täglich in ihren Ateliers am Pariser Montmartre. Beide studierten im Detail die von ihnen bewunderten Gemälde des 1906 gestorbenen Paul Cézanne, dessen Werk zum ersten Mal ausführlich im Pariser Salon d'Automne 1907 gezeigt worden war.

Braque wandte die von Cézanne getes­tete Multiperspektive auf seine provenzalischen Küstenlandschaften um L' Estaque und einen ersten "Großen Akt" von 1907/08 an und bereitete damit eine später "analytischer Kubismus" getaufte revolutionäre geometrische Abstraktion vor. Picasso hatte 1907 mit seinen "Demoiselles d'Avignon" seinen Weg des Zerlegens der Motive in einen dreidimensionalem Raum gefunden. 1912 entdeckte Braque, Sohn eines Malermeisters, die Collagetechnik der "Papiers Collés", und in den nächsten Jahren klebten die Freunde Papierschnitzel und Holz auf die Leinwände, benutzten Sprache, vermischten die Ölfarbe mit Sand. Es war der Anfang des "synthetischen Kubismus".

Braque und Picasso, beide beim Pariser Galeristen Kahnweiler unter Vertrag und
so materiell abgesichert, verbrachten ihre Ferien zusammen und malten, Staffelei an Staffelei, in den französischen Pyrenäen. Bis heute sind die dort 1913 entstandenen Bilder der beiden Meister kaum zu unterscheiden – Picasso und Braque erfanden gemeinsam die früheste und vielleicht radikalste Bewegung der Moderne. Aber während Georges Braque anschließend an die Front des Ersten Weltkriegs zog und bis 1917 nicht mehr malen konnte, heimste Pablo Picasso den Ruhm des Bilderstürmers ein und wurde zum Helden der neuen Malerei. Braque dagegen kam schwerverletzt aus dem Krieg zurück und widmete sich künftig klassischen Genres, vor allem Stillleben, Landschaften, Grafik und Papierarbeiten. So wurde er in Leben und Werk zum Fortführer einer sehr französischen Tradition introvertierter, formalistischer Kunst.

Die Geschichte der Freundschaft und Konkurrenz zwischen Braque und Picasso wurde 1990 in einer großen Doppelausstellung des New Yorker MoMA erzählt, während sich nun die erste ausführliche französische Werkschau seit 40 Jahren im Grand Palais ausschließlich auf Braques Werdegang konzentriert. Über 150 Ölbilder aus allen Werkphasen, von den Flirts mit dem Fauvismus über die frühkubistischen Küs­tenansichten bis zu den Atelier- und Vogelbildern aus den späten fünfziger Jahren, sind, dank Leihgaben aus aller Welt, im Grand Palais versammelt. Braque erlebte, trotz seiner verspäteten Anerkennung durch die Kunstgeschichte, noch zu Lebzeiten angemessene Ehrungen; 1948 wurde er auf der Biennale von Venedig mit dem großen Preis für Malerei ausgezeichnet und 1961, zwei Jahre vor Tod und Staatsbegräbnis, als erster Maler zu Lebzeiten mit einer Ausstellung im Louvre gefeiert.

Georges Braque (1882–1963)

18. September bis 6. Januar,
Grand Palais,
Paris,
Der Katalog erscheint im Verlag der Staatlichen Museen RMN und kostet 45 Euro.
http://www.grandpalais.fr/en/event/georges-braque

Mehr zum Thema auf art-magazin.de