When Now is Minimal - Nürnberg

Haken um die Raster schlagen

Die Unorthodox-frische Gruppenausstellung zur Minimal Art im Neuen Museum weitet den Horizont.

Von wegen White Cube! Nie nahm sich minimalistische Kunst blendender und vor allem aussagekräftiger aus als jetzt in Nürnberg vor dem farbig orchestrierten Wandfond des österreichischen Künstlers Gerwald Rockenschaub.

Vergessen wir all die Reinheitsgebote der klassischen Minimal Art, ob es sich nun um das Diktum eines architektonisch möglichst neutralen Umfelds oder die Forderung nach dem möglichst coolen Einsatz von industriellen Materialien handelt. Und vergessen wir auch, dass minimalistische Kunst selbstgenügsam um die eigenen formalen Koordinaten kreist. Mit der Ausstellung "When Now is Minimal" weitet sich der Horizont erheblich. Und die Rockenschaub’schen Farbwände versetzen bekannte Arbeiten von Peter Halley oder Anselm Reyle energetisch geradezu in Schwung.

Donald Judd und seine engsten Mitstreiter hätten sich in den sechziger Jahren vermutlich lieber selbst entleibt, als in diesem Wechselbad atmosphärisch sich überschneidender Farbkadenzen zu baden. Aber zum Zuge kommt hier ohnehin nicht die durchaus elitäre New Yorker Riege der Minimal Art. Die mehr als 30 Künstler umfassende Ausstellung startet bei Blinky Palermos rotzigen Ausreißern aus dem konstruktivistischen Raster und endet mit den nahezu schwerelosen, alltagspatinierten Gerüstaufbauten der britischen Bildhauerin Sara Barker. Die Münchner Sammlerin Ingvild Goetz, aus deren Kollektion die Ausstellung bestückt ist, war verblüfft, als Kurator Karsten Löckemann erstmals mit der Ausstellungsidee auf sie zukam, weil sie gar keine rechte Minimal Art in ihrer Sammlung wähnte. Doch gerade die ketzerisch um den rechten Winkel Haken schlagenden Konzeptualisten wie Rosemarie Trockel flößen der abgehangenen Kunsttendenz neues Leben ein.

When Now is Minimal – Die unbekannte Seite der Sammlung Goetz

Nürnberg, Neues Museum
Bis 20.10.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten
unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog ist bei Hatje Cantz erschienen und kostet 35 Euro, im Museum 25 Euro
http://www.nmn.de/de/ausstellungen/when-now-is-minimal/when-now-is-minimal.htm

Mehr zum Thema auf art-magazin.de