Richard Artschwager - München

Der philosophierende Schreiner

Dem dieses Jahr verstorbenen Richard Artschwager widmet das Haus der Kunst in München jetzt eine Retrospektive. Das Werk aus fünf Jahrzehnten zeigt den Künstler als inspirierten Querkopf mit Sinn für Humor.
Malerei auf Dämmplatten:In München setzt ein Querdenker Ausrufezeichen

Richard Artschwager baute gerne Alltagsgegenstände wie diesen Tisch: "Table (Somewhat)", 2007 Formica on wood

Ein Ausrufezeichen lenkt die Aufmerksamkeit auf das Gesagte. Aber was passiert, wenn das Satzzeichen die Schriftsprache verlässt und als autonome Skulptur in einer Ausstellung auftaucht?

Es wird als Kommentar zur Umgebung wahrgenommen, so wie das riesige leuchtend gelbe Ausrufezeichen aus Plastikborsten von Richard Artschwager im Haus der Kunst. Es gehört zu einer ganzen Reihe von Zeichen, mit denen der 1923 geborene und in diesem Jahr gestorbene amerikanische Künstler seine Umgebung kommentierte.

Artschwager war ein Grenzgänger zwischen den Disziplinen. Er studierte Biologie, Mathematik, Chemie an der Cornell University, Malerei bei Amadée Ozenfant und arbeitete als selbstständiger Schreiner. Den Regeln der Kunst begegnete er mit Skepsis. Erst nachdem seine Schreinerwerkstatt abgebrannt war, entschloss er sich, Künstler zu werden.

In seinen Skulpturen, Bildern und Installationen untersucht er das Verhältnis zwischen Alltags- und Kunstgegenständen. So baut er Möbel, auf die man sich nicht setzen kann, malt realistisch anmutende Gemälde auf einfache Dämmstoffplatten oder imitiert Rahmen aus Edelholz. "Wenn man etwas erkennt, muss man es nicht unbedingt deutlich sehen. Etwas zu erkennen heißt etwas zu sehen und sich zugleich daran zu erinnern", schrieb er 1968.

Einer eindeutigen Zuordnung seines Werks zu einer bestimmten Kunstrichtung hat sich Richard Artschwager erfolgreich widersetzt. Denn in seinen Arbeiten finden sich Bezüge von der Pop Art über den Konzeptualismus bis hin zu Minimal Art. Das Whitney Museum in New York hat dem "philosophierenden Schreiner", wie er gern genannt wird, noch zu Lebzeiten eine Retrospektive eingerichtet, die nun auch im Haus der Kunst zu sehen ist. Mit seinem Werk aus fünf Jahrzehnten zeigt sie ihn als einen inspirierenden Querdenker mit Sinn für Humor.

Richard Artschwager!

München, Haus der Kunst, 11.10. – 6.1.14

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http://www.hausderkunst.de