Albrecht Dürer - Frankfurt/Main

Genie mit Strahlkraft

Das Städel zeigt über 250 Werke von Albrecht Dürer und Zeitgenossen.

Wäre das Traktat über die Farben nicht in altmodisch klingendem Frühneuhochdeutsch verfasst, so könnte man es glatt für die Abhandlung eines Künstlers der Klassischen Moderne halten.

"An allen Dingen ist Licht und Finsternis" schrieb Albrecht Dürer (1471 bis 1528), was die Malerei "krummt oder beugt", also dreidimensional erscheinen lässt. "Wo das nit wär so wär's Alls eben anzusehen", also flächig. Weiß, so Dürer, dürfe nicht mit Schwarz schattiert werden, da es "unmüglich" sei, dass ein "weiß Ding so ein finsteren Schatten" wirft wie ein etwa rotes.

Der Visionär hinterließ bedeutende kunsttheoretische Schriften und führte die deutsche Malerei von der Spätgotik in die Renaissance. Sein Genie strahlt bis in die Gegenwart: Als das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, der Geburtsstadt des Malers, 2012 "Kernphänomene des Frühwerks bis zur Frage nach Dürers Rolle als Archetyp des modernen Künstlers" in einer Ausstellung untersuchte, kamen 280 000 Besucher.

Nach "Der frühe Dürer" (art 5/2012) kommt jetzt der "ganze" Dürer zum Zuge. Einen umfassenden Blick" verspricht das Museum mit über 250 Werken von Dürer und Zeitgenossen (Martin Schongauer, Hans Baldung Grien, Hans von Kulmbach, Jacopo de'Barbari, Giovanni Bellini, Joos van Cleve oder Lucas van Leyden), allein 190 Arbeiten stammen vom Meister selbst. Leihgaben, wie der "Büßende Heilige Hieronymus" (um 1496) kamen etwa aus der National Gallery in London, das "Bildnis eines unbekannten Mannes" (1521) aus dem Prado in Madrid oder das "Porträt eines Geistlichen" (1516) aus der National Gallery of Art in Washington.

Eine Wiedervereinigung ist dem "Heller-Altar" beschieden, den Dürer gemeinsam mit Matthias Grünewald (um 1475/80 bis 1528 oder 1531/32) gemalt hat. Die drei Tafeln des Triptychons, das zwischen 1507 und 1511 im Auftrag des Patriziers Jakob Heller entstanden ist und ursprünglich für die Kirche des Frankfurter Dominikanerklosters bestimmt war, werden heute in drei verschiedenen Museen aufbewahrt: Im Städel-Museum und in der staatlichen Kunsthalle Karlsruhe sind die von Grünewald gemalten zweigeteilten Seitenflügel zu sehen, die Mitteltafel gelangte im 17. Jahrhundert nach München, wo sie 1729 in der Residenz verbrannte.

Der Maler Jobst Harrich (1579 bis 1617) hatte aber von dem Altarblatt, das "Mariae Himmelfahrt" zeigt, rechtzeitig eine Kopie erstellt, die heute im Historischen Museum in Frankfurt zu sehen ist und die es möglich macht, in der Ausstellung erstmals wieder einen Eindruck von der künstlerischen Qualität des Werks zweier großer Maler zu bekommen.

Dürer. Kunst – Künstler – Kontext

Frankfurt/Main, Städel-Museum, 23.10. -2.2.14;

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http://www.duerer-in-frankfurt.de/