Russische Avantgarde - Florenz

Inspiration bei den Schamanen

Erfanden die Skythen den Kubismus? In einer Ausstellung mit kühnen Thesen werden in Florenz sowohl die orientalischen, als auch die eurasischen Einflüsse auf die russischen Avantgardekünstler gezeigt.

Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen Europa und Asien? Niemand weiß es genau. Die Russen halten sich für Eurasier, und der Doppeladler in ihrem Staatswappen schaut sowohl nach Europa wie nach Asien.

Vergangene Ausstellungen über die russische Avantgarde haben immer nur sehr einseitig den westlichen Einfluss auf die russischen Künstler herausgestellt. Im Palazzo Strozzi führt jetzt eine große Schau zu den Inspirationsquellen in die Steppe der Schamanen, zur indischen Philosophie, zu volkstümlichen Drucken aus China, zur Kultur der Skythen.

Zum ersten Mal wird die Bedeutung der orientalischen und eurasischen Einflüsse auf die russischen Avantgardekünstler wie Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, Pavel Filonow, Vera Chlebnikowa, Michail Larionow und Natalja Gontscharowa untersucht. Die russischen Avantgardekünstler versuchten, die archaischen Ursprünge ihrer Kultur für sich wiederzuentdecken.

Die Steppe, Chiffre für Leere und Spurenlosigkeit, provozierte religiöse Reflexionen. Die Ausstellung zeigt eindrucksvolle Gegenüberstellungen. Von der Halbinsel Kamtschatka, dem östlichsten Ende Russlands, stammt eine rituelle Maske, die mit einem "Kopf" von Malewitsch verglichen wird. Einer skythischen Steinfigur aus dem 10. Jahrhundert werden berühmte Gemälde wie "Schwarzer Fleck" (1921, Kandinsky) oder "Leere" (1913, Gontscharowa) zugeordnet.

Natalja Gontscharowa hatte die radikale Ansicht vertreten, dass nicht die Franzosen, sondern die Skythen mit ihren Steinfiguren den Kubismus erfunden hätten.

Die russische Avantgarde, Sibirien und der Osten

Termin: 27.9. bis 19.1.2014, Florenz, Palazzo Strozzi.

Der Katalog zur Ausstellung erschien im Skira Verlag kostet 49 Euro.

http://www.palazzostrozzi.org/SezioneAvanguardiaRussa.jsp?idSezione=2496

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