Salon der Angst - Wien

Angst vor der eigenen Courage

Nicolaus Schafhausen vermasselt sein Debüt als Kunsthallen-Direktor in Wien mit einer Ausstellung, die zwar internationalen Trends folgt, in ihrer Werkauswahl aber beliebig und blass bleibt.

Die Wiener Kunstszene hat auf diesen Moment gewartet. Lange. Nach fast einem halben Jahr eingeschränktem Betrieb wegen baulicher Veränderungen und nach einem eher unaufregenden Thomas-Bernhard-Symposium wagt sich Nicolaus Schafhausen, neuer Direktor der städtischen Kunsthalle, aus der Deckung.

Wobei man den Titel seiner Auftakt-Ausstellung nicht programmatisch verstehen sollte: Salon der Angst habe nichts mit seinen persönlichen Befindlichkeiten zu tun. Und auch nicht mit Wien als Geburtsstadt der Psychoanalyse. Tatsächlich hat die Schau mit all diesem nichts zu tun. Genau das ist ihr Problem. Sie berührt weder persönlich, zu weit hergeholt sind die meisten Arbeiten, die bewusst nur subtil das Thema streifen sollen. Sie nimmt auch nicht die Kraft von Sigmund Freuds Wirkungsort auf, was einfach schade ist. Es ist kein Zufall, dass eine der stärksten Arbeiten sich genau auf den Ort bezieht: Marcel Odenbachs Doppelprojektion "Außer Rand und Band", die historisches Filmmaterial der regressiven Abreaktionspseudotherapie aus der Muehl-Kommune Szenen von Kindern gegenüberstellt, die ein Duplikat von Freuds Couch auseinandernehmen.

Es gibt noch mehr gute Arbeiten. Doch ein gemeinsamer Ton wird nicht gefunden, die Auswahl wirkt beliebig, das Rahmenprogramm klassisch, was vor allem Schafhausens Ankündigung konterkariert, die Kunstausstellung neu zu erfinden, zumindest innovativ und unkonventionell zu sein. Das Auffälligste ist für Wiener Verhältnisse noch, dass der Katalog fehlt. Ein theoretischer Überbau, gar eine These wird gar nicht versucht. Eher nervig ist der Versuch, alle momentanen Trends der internationalen Biennalen widerspiegeln zu wollen: historische Positionen einzubeziehen zum Beispiel. Die junge Entdeckung der Venedig-Biennale Eva Kotátková ist auch dabei mit einem unheimlichen Bühnenstück über die Gugginger Künstler. Und originale Outsider Art wird dann wie in Venedig ebenfalls gleichberechtigt eingestreut in die professionelle Kunstproduktion, Kinderzeichnungen aus dem Irak treffen so auf James Ensors Selbstbildnisse als Skelett und Alfred Kubins dunkle Visionen aus dem Unbewussten. Im intimeren Setting des eingebauten Grafikkabinetts kommt zumindest ein bisschen Schauder auf, ein wenig der Intimität und Intensität der Konversation, die ein Salon verspricht. Warum der gerade bei dieser Ausstellung im Titel gelandet ist, können Schafhausen und Co-Kuratorin Cathérine Hug allerdings nicht schlüssig erklären. Ein großer Auftakt sieht anders aus.

Salon der Angst

Termin: bis 12. Januar 2014, Kunsthalle Wien

Zur Ausstellung erscheint ein Booklet.
http://www.kunsthallewien.at/?event=135

Mehr zum Thema auf art-magazin.de