Lou Scheper-Berkenkamp - Osnabrück

Auf Luftlinien balancieren

In Osnabrück ist jetzt die wenig bekannte Bauhäuslerin Lou Scheper-Berenkamp in einer ersten Retrospektive zu sehen – lange stand sie im Schatten ihres Mannes, nun wird sie endlich entdeckt.

Nein, die Doktrin des rechten Winkels und das Bekenntnis zum Funktionalismus waren nicht unbedingt ihre Sache.

Die strikten Leitsätze des Bauhauses stießen bei der jungen Bauhäuslerin Lou Scheper-Berkenkamp (1901 bis 1976) auf verhaltene Gegenliebe. Mit ihren märchenhaft versponnenen Illustrationen und Zeichnungen war sie Lichtjahre von Walter Gropius’ Devise "Kunst und Technik – eine neue Einheit" entfernt.

Rückblickend auf ihre Dessauer Bauhausjahre merkte sie 1930 süffisant an: "Ich finde labiles Gleichgewicht reizvoller als stabiles. Es ist verlockender auf Luftlinien zu balancieren, als fest auf dem Dogma zu sitzen." Die Frau des Bauhausmeisters Hinnerk Scheper stellte sich künstlerisch früh in den Schatten ihres Gatten. Als Mutter dreier Kinder konzentrierte sie sich auf das familiäre Umfeld, schuf seit 1925 auch zauberhafte Kinderbücher für den Privatgebrauch. Das Bauhaus-Archiv in Berlin widmete der Künstlerin eine Retrospektive, die nun in einer zweiten Station ins Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück wandert.

Man reibt sich die Augen angesichts der vor Erfindungsgabe, Humoristischem und Melancholie nur so sprühenden Lou Scheper-Berkenkamp. In den frühen Arbeiten lassen sich noch visuell verträumte Spurenelemente von ihren Lehrern Johannes Itten, Lyonel Feininger und Paul Klee ausmachen. Doch bereits mit dem Blatt "L’esprit de Weimar" von 1923 beweist sie eine souveräne Fabulierkunst. Sie pfefferte ihre Zeichnungen gerne mit gewitzten Bemerkungen. Highlights sind ihre Bilderbriefe aus der Bauhaus-Zeit, so etwa das nach einer Finanzamtforderung an ihren Mann ironisch verfasste Lamento: "Wir dürfen nie mehr Schlagsahne essen – denn wenn Du ein Bild verkaufst, wird es mit Luxussteuer bemessen – und der Gewinn ist fort – indessen – wird Dich die Nachwelt nicht vergessen."

Phantastiken. Lou Scheper-Berkenkamp

Osnabrück, Felix-Nussbaum-Haus
bis 9.2.14

Katalog: 15 Euro;

http://www.osnabrueck.de/77930.asp?bigpic=0

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