Sie. Selbst. Nackt. - Bremen

Mut und Selbstbestimmung

Die Museen Böttcherstraße, Paula Modersohn-Becker Museum, zeigen weibliche Selbstakte vom Beginn des 20. Jahrhunderts – damals ein absolutes Tabu.

Die Nacktheit macht uns verletzlich. Dass Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) den weiblichen Selbstakt in der Malerei begründete, und das in einer Zeit, in der Frauen nur in Ausnahmen an Kunstakademien studieren durften, ist umso erstaunlicher.

Obgleich finanziell nie unabhängig, ging sie in der Malerei ihre eigenen Wege, wie auch ihr Freund Rainer-Maria Rilke bemerkte: "Das merkwürdigste war, Modersohns Frau in einer ganz eigenen Entwicklung ihrer Malerei zu finden, rücksichtslos und geradeaus malend." 1906 in Paris beschäftigte sie sich eingehend mit Akten und Selbstporträts, ehe sie sich an den Selbstakt wagte. Den weiblichen Selbstakt, der in der Kunstgeschichte zuvor nicht aufgetaucht war. Ihr "Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag" steht umso mehr für die weibliche Selbstbestimmung, wenn man weiß, dass sie ihre Zeit in Paris auch nutzte, um Abstand zu ihrem Ehemann Paul Modersohn zu gewinnen. Ihre harmonischen Selbstakte zeugen davon, dass sie im Frieden mit ihrem Körper ist und ihn als etwas Natürliches, frei vom Sexuellen begreift.

Die Malerinnen der zwanziger und dreißiger Jahre hingegen spielen in ihren Selbstakten mit den eigenen körperlichen Reizen. So hält Anita Rée in ihrem "Halbakt vor Feigenkaktus" dem Betrachter ihre prallen Brüste entgegen und stellt sich Amrita Sher-Gil in ihrem geheimnisvollen, dunkel gehaltenen Bild als Tahitianerin dar, die sich ihrer sexuellen Ausstrahlung bewusst ist.

Anders die Selbstakte der britischen Fotografin Jo Spence (1934 bis 1992), die darin ihren Kampf gegen den Brustkrebs dokumentiert. Ihr offenbar grenzenloser Selbsthass wird auf ihrer Fotografie "Exiled" von 1989 deutlich: Mit einer Maske vor dem Gesicht zeigt sie ihren durch eine Brustamputation entstellten Körper, auf den sie in großen Lettern das Wort "Monster" geschrieben hat. Doch auch diese drastische Art der Selbstentblößung steht für Mut und Selbstbestimmung über den eigenen Körper.

Sie. Selbst. Nackt.

bis 2.2.14

Museen Böttcherstraße, Paula Modersohn-Becker Museum

Der Katalog erscheint im Verlag Hatje Cantz und kostet 39,80 Euro
http://www.museeninbremen.de/ausstellungen/boettcherstrasse.html