Zeichen. Sprache. Bilder - Karlsruhe

Wörter – nicht nur zum Lesen

Die Städtische Galerie Karlsruhe zeigt einen Streifzug durch die sinnliche Seite der Schrift seit den sechziger Jahren.

Er hat Watte gemalt – mit dicker, pastos aufgetragener Farbe. Aber Dieter Krieg ging es nicht allein um das Abbild, sondern um das Zusammenspiel von Gegenstand und Begriff, Malerei und Sprache, so dass er noch groß "Watte" auf sein Gemälde schrieb.

"Die Verbindung von Schrift und Bild ist ein altes Thema in der Moderne", sagt Claudia Pohl. Sie hat für die Städtische Galerie Karlsruhe die Ausstellung "Zeichen. Sprache. Bilder" arrangiert, "obwohl man zu dem Thema mindestens zehn Ausstellungen machen könnte", wie Pohl sagt.

Deshalb beginnt sie erst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und konzentriert sich bei den amerikanischen Künstlerinnen und Künstlern auf jene, "die in Europa präsent waren und eine Rolle gespielt haben". So gibt es klassische Grafik wie die Nummernbilder von Robert Indiana oder Lithografien von Jasper Jones, in denen Ziffern in der malerischen Struktur fast verschwinden.

Pohl ist wichtig, dass die Besucher einen sinnlichen Eindruck bekommen. "Wir wollen nicht, dass die Leute nur lesen müssen" – sondern sie lässt sie mitunter auch aktiv werden. Tobias Rehberger zeigt zum Beispiel Objekte aus Pappe, Styropor und Holz. Sobald man die eigenwilligen Arrangements mit einer Taschenlampe anstrahlt, formen die Schatten Worte. Bei der fünf Meter großen Wandarbeit von Lawrence Weiner musste die Kuratorin selbst die Entscheidung treffen: Der amerikanische Konzeptkünstler gibt Instruktionen, die die Ausstellungsmacher oder auch Sammler an der Wand anbringen können oder nicht – wie den Satz "Ein & Aus vom Ort. Getragen vom eigenen Gewicht". Durch diese Anleitung werde der Betrachter angeregt, über den Ort zu reflektieren, meint Pohl.

Rund 80 Arbeiten von mehr als 40 Künstlerinnen und Künstlern werden in Karlsruhe gezeigt, Bilder, Skulpturen und Fotografien, wobei die Gattungsgrenzen fließend sind. So hat die amerikanische Objektkünstlerin Roni Horn Gedichte auf Holzstäbe geschrieben. "Das bekommt eine räumliche Dimension und eine poetische Anmutung", sagt Pohl begeistert, "das hat mich total fasziniert."

Zeichen. Sprache. Bilder

Karlsruhe, Städtische Galerie
9.11.–23.2.14

Katalog: 20 Euro

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