Renée Sintenis - Berlin

Erfinderin des "Berliner Bären

Zum 125. Geburtstag der deutschen Künstlerin zeigt das Georg-Kolbe-Museum in Berlin die Vielseitigkeit der Bildhauerin Renée Sintenis, die durch ihre lebensnahen Tierdarstellungen bekannt wurde, und sich selbst gerne Modell stand.

Ihr populärstes Werk kennt hierzulande wohl jeder: Der "Berliner Bär" prangt auf dem Stadtwappen der einstmals geteilten Stadt, eine Kopie des tapsigen Tierchens drücken sich Regisseure an die stolzgeschwellte Brust – in Gold ist er der Preis der Berlinale für den besten Film. Nur: Wer dieses symbolbehaftete Tier geschaffen hat, wissen die Wenigsten.

Es ist die deutsche Bildhauerin Renée Sintenis (1888 bis 1965, gebürtige Renate Alice Sintenis), deren Vorliebe ausdrucksstarken Darstellungen vor allem junger Tiere galt. Eine Retrospektive im Georg-Kolbe-Museum zeigt, dass sie darüber hinaus auch wunderbare Bewegungsstudien etwa von Jockeys in Bronze festgehalten hat, die einen Vergleich mit den berühmten Reiterbildnissen von Edgar Degas nicht zu scheuen brauchen.

Das Idealbild der "neuen Frau", eigenständig und selbstbewusst

Einen weiteren Themenschwerpunkt der Ausstellung bilden ihre mit expressivem Duktus geformten Porträts von Freunden und Zeitgenossen, darunter der Kunsthändler und -sammler Alfred Flechtheim, der Boxer Max Schmeling oder der Dichter Johannes Ringelnatz. Und sie war sich selbst das liebste Modell, hat immer wieder in den verschiedensten Lebensphasen ihr androgynes Gesicht mit der strengen Kurzhaarfrisur dargestellt – sie verkörperte so das Idealbild einer "neuen Frau". Bereits in jungen Jahren hatte sie sich eine eigenständige künstlerische Existenz aufgebaut und zählte zu den wenigen Frauen, die sich selbstbewusst in der Berliner Kunstszene hatten durchsetzen können.

Kitschiger "Buddy Bär" in Divisionsstärke

Was wohl Renée Sintenis von jenem Tier gehalten hätte, das seit dem 20. Juni 2001 als kitschiger "Buddy Bär" in Divisonsstärke, aus Polyester gegossen und bunt bekleidet, Berlin unter seiner Fuchtel hat? Verwechslung unmöglich: Während der Jungbär von Sintenis in verspielter Bewegung die Arme hebt und zu tänzeln scheint, steht der Plastik-Buddy starr wie vor einem unsichtbaren Feind, die Arme zur Kapitulation steif nach oben gereckt.

Renée Sintenis. Berliner Bildhauerin (1888–1965)

bis 23. März,
Georg-Kolbe-Museum,
Berlin,
Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung
http://www.georg-kolbe-museum.de/2013/11/renee-sintenis-1888%E2%80%931965-eine-umfassende-werkschau-der-berliner-bildhauerin-zum-125-geburtstag-2/