Neon - Ingolstadt

Nur schwer zu übersehen

Abseits der Technoszene: Seit den Sechzigern tauchen Neonfarben in der Kunst auf. Das Museum für Konkrete Kunst zeigt die wichtigsten Vertreter.

Es gibt wohl kaum lautere und knalligere Töne als die sogenannten Neonfarben. In der Mode erlebten sie im vergangenen Sommer auch abseits der Technoszene ein fulminantes Comeback.

Zeit also, ihr auch in der Kunst die Rolle zuzuteilen, die sie verdient hat. Seit Künstler in den sechziger Jahren nicht nur mit Flowerpower, Drogen und freier Liebe, sondern auch mit fluoreszierender Farbe experimentierten, ist das Leuchten weltweit in die Museen gelangt – die Künstler wissen darum, dass man Neon nur schwer übersehen kann.

Der deutsche Maler und Bildhauer Rupprecht Geiger (1908 bis 2009) etwa, der für seine geometrischen Formen und abstrakten Bilder bekannt ist, stellte einen Großteil seines Werks ins Zeichen von Neon.
"Farbe hat wie Licht Anspruch, in der Reihe der Elemente eingestuft zu werden – Feuer, Wasser, Luft, Farbe, Licht und Erde", beschrieb er die Bedeutung der Farbe in seinen Werken. Die "Fruchtschale" des Schweizer Künstlerpaars Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger von 2011 entstammt anscheinend chemischen Experimenten. Ihr pinkfarbener, zu Kristallen erstarrter Wasserfall besteht aus einer Kunstdüngerlösung, die sich aus Plastikschalen über einen blauen Eimer ergießt. Dabei setzen sie auf die bunte Fantasie des chemischen Verwandlungsprinzips. Passend dazu deutet Jeremy Deller auf seinem Print in Neonfarben von 2005 – "Bless This Acid House" – an, dass Acid nicht nur Säure, sondern auch LSD bedeuten kann. Schließlich sind auch jene "bewusstseinserweiternden" Bilder, die Konsumenten von halluzinogenen Pilzen in ihren Wohnzimmern hängen hatten, nicht grundlos in Neonregenbogenfarben gehalten. Denn auch ohne chemische Hilfsmittel entfaltet Neon eine ganz eigene Wirkung auf das Bewusstsein und ist ein Statement für die Lust an leuchtender Farbmagie.

Neon – Vom Leuchten der Kunst

Ingolstadt, Museum für Konkrete Kunst
1.12.–9.3.
Der Katalog erscheint im Wienand Verlag, 28 Euro,
im Buchhandel 34 Euro