K. O. Götz in Berlin

Der einzige deutsche Maler von Belang

Er prägte als Lehrer von Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Gotthard Graubner eine Künstlergeneration, in der Neuen Nationalgalerie ist zum 100. Geburtstag von K. O. Götz jetzt ein Überblick über seine Entwicklung als Maler zu sehen.

"Es ist wie eine Attacke", so berichtete der Düsseldorfer Sammler Willi Kemp tief beeindruckt, nachdem er dem Künstler K. O. Götz in den siebziger Jahren einmal beim Malen zusehen durfte.

Für den inzwischen 99-jährigen Altmeister des Informel war das Entstehen eines Bildes meist ein Kraftakt. Denn auf langwierige Überlegungen zur Komposition folgte die schnelle, wilde Umsetzung: Mit vollem Körpereinsatz fetzte Götz dann breite Farbströme auf mächtige Leinwände, riss mit dem Rakel scharfe Schnitte in die nassen Farbschichten, zog mit dem trockenen Pinsel strähnige Bahnen. So entstanden in nur wenigen Sekunden Bilder, die den klassischen Formenkanon der Malerei sprengen – was in dieser Kunst zählt, sind Rhythmen und Gegenrhythmen, Übergänge und Farbflüsse, Verzahnungen und Brüche, schwere und leichte Zonen.

Am 22. Februar 2014 feiert Götz, den sein französischer Kollege Jean Fautrier in den Nachkriegsjahren als "einzigen deutschen Maler von Belang" gelten ließ, seinen 100. Geburtstag. Ein würdiger Anlass für die Berliner Neue Nationalgalerie in Zusammenarbeit mit dem Museum Küppersmühle in Duisburg und dem Museum Wiesbaden, K. O. Götz eine umfangreiche Werkschau zu widmen.

Rund 60 Bilder des gebürtigen Aacheners aus den Jahren 1934 bis 2010 zeigen seine rasante künstlerische Entwicklung. "Ich wollte geschlossene Formen zum Explodieren bringen", so erklärte der Maler in einem Gespräch mit art im Jahr 1998. Egal, ob er Farbstürme auf der Leinwand entfachte oder schwarze Strudel hart auf den weißen Grund prallen ließ – seine abstrakte Malerei fesselt durch ungeheure Dynamik und poetische Ausdruckskraft. Beim Anblick der gewaltigen, radikalen Bilder wird auch offenbar, welch vielfältige Anregungen Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke oder Gotthard Graubner ihrem einstigen Lehrer K. O. Götz zu verdanken haben, bei dem sie an der Düsseldorfer Akademie studiert haben.

K. O. Götz

Berlin, Neue Nationalgalerie
Bis 2.3.14

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Weitere Stationen: Museum Küppersmühle, Duisburg, 21. März bis
15. Juni; Museum Wiesbaden, 11. Juli bis 12. Oktober. Der Katalog erscheint im Wienand Verlag und kostet 30 Euro, im Buchhandel 34 Euro
http://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/neue-nationalgalerie/ausstellungen/ausstellung-detail.html?tx_smb_pi1[exhibitionUid]=1009&cHash=3b50643fdcb390b2fdc02d34c3923f7d