Martin Creed - London

Alles, nur kein Konzeptkünstler

Mit scheinbar Sinnlosem foppt der Turner-Preisträger sein Publikum – jetzt erhält der Minimalist unter den Young British Artists seine erste Retrospektive

Einen solchen Aufschrei hatte es schon lange nicht mehr gegeben: Martin Creeds Beitrag zur Ausstellung der vier für den Turner Prize 2001 nominierten Kandidaten hieß "The Lights Going On And Off" und war genau das: ein Ausstellungsraum, der alle fünf Sekunden in gleißendes Licht getaucht wurde und dann in Dunkelheit versank.

Den ganzen Tag lang Licht an und Licht aus, nichts weiter. Und das sollte Kunst sein? Dass er dann auch noch den Preis gewann, trieb die Beleidigung des Publikums und der Regenbogenpresse auf den Höhepunkt. Martin Creed ist der Minimalist unter den Young British Artists. Der 1968 geborene Künstler reduziert in seinen Werken die Welt auf das Wesentliche. Auf oft spielerische Art und mit Humor transformiert er, so sagt Kurator Cliff Lauson, "alltägliche Materialien und Aktionen zu überraschenden Meditationen über das Dasein und über die unsichtbaren Strukturen, die unsere täglichen Erfahrungen formen"

Creed ist in allen Medien zu Hause, er betätigt sich sogar als Musiker mit einer eigenen Band. Die Retrospektive in der Hayward Gallery, die erste ihrer Art, zeigt seine volle Spannweite, von winzigen Wandskulpturen wie "No. 67" von 1992 aus übereinandergeklebtem Tesafilm bis zu raumfüllenden Installationen wie "No. 200" (seine Werke sind konsequent durchnummeriert) von 1998, ein mit Luftballons gefüllter Raum, in dem die Besucher sich so richtig austoben können.

Im Mittelpunkt der Schau steht eines seiner Schlüsselwerke, "No. 1000" (2009/10), eine monumentale Serie von 1000 mit Broccoli hergestellten Farbdrucken. Auch neue Arbeiten werden zu sehen sein, etwa seine nur selten ausgestellten gemalten Porträts und einige eigens für die Schau geschaffene Plastiken. Er legt Wert darauf, dass er kein Konzeptkünstler ist. "Ich mache keine Ideen", sagt er, "ich mache Dinge mit Farben und Formen und Größe."

Martin Creed. What’s the point of it?

London, Hayward Gallery
29.1.–27.4.

Der Katalog kostet 30 Pfund


http://www.southbankcentre.co.uk/whatson/martin-creed-79080

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