Russische Avantgarde und Sport - Lausanne

die Feier des neuen sportlichen Menschen

Das olympische Museum in Laussane begleitet die Spiele in Sotschi mit einem Blick auf die russische Avantgarde und ihr Bild vom Sport.

Alles sollte neu werden. Die Revolution hatte 1917 den Zaren vom Thron gestürzt, Lenin und seine Bolschewisten verkündeten den Kommunismus als ideale Gesellschaftsform, in der statt der wenigen Adligen auch das Volk zum Zug kommen sollten

Doch wie konnte man die Menschen für den Aufbruch motivieren? Wie ließen sich die Massen zu einer Bewegung formen, die sich für die Partei und ihre neue Heilslehre begeisterte? Das war nicht ganz leicht. Zwar gab es eine europäische Jugendbewegung, die die Ideale einer Körperkultur schon vorher verkündet hatte. Aber es war noch einmal etwas anderes, wenn man die Masse der Arbeiter in der Freizeit dazu bringen wollte, nochmals Leistungen zu vollbringen. Das ging nur mit Leitbildern, die vorführten, welches Vergnügen es macht, sich zu ertüchtigen und zu den neuen Menschen des Sowjetreichs zu zählen.

Hier waren die Künstler gefragt. Am eindrucksvollsten gelang die Feier des neuen sportlichen Menschen Alexander Rodtschenko. Er fotografierte Sportler beim Aufmarsch auf dem Roten Platz, Studenten bei der Morgengymnastik und junge Frauen, die Fahnen schwingen. Dabei zeigte er mehr als die Übungen. Die Sportlerinnen haben in ihren für damalige Verhältnisse knappen Trikots Sexappeal. Sein Turmspringer scheint in den Himmel zu entschweben. Eine Metapher für das Heilsversprechen der Freiheit, die jedem guten Sowjetmenschen winkt. Das gelang dem Kunstfotografen umso besser, als er sich von der Avantgarde und ihrer Dynamik inspirieren ließ. Die Euphorie der Bewegung in Kubismus und Futurismus sind wesentliche Elemente auch der jungen sowjetischen Kunst. Im Olympischen Museum in Lausanne eröffnet die Schau zum Thema Sport in der sowjetischen Kunst von 1920 bis 1930, und sie begleitet die Olympischen Winterspiele in Sotschi. So sind denn von den Bildern Gustav Klucis’ bis zu den Entwürfen für revolutionäre Sportbekleidung durch Warwara Stepanowa eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern zu sehen – darunter Nikolai Kubeev, Lázló Moholy-Nagy, Liselotte Grschebina und Krassinski, die mehr oder weniger an der praktischen Umsetzung des revolutionären Geistes mitwirkten. Die Filme "Der Mann mit der Kamera" von Dsiga Wertow und "Frühling" von seinem Bruder Michail Kaufman zeigen die neuen Ideale auch im neuen Massenmedium.

Die russische Avantgarde und der Sport

Lausanne, Musée Olympique
24.1.– 11.5.

Der Katalog zur Ausstellung kostet 19 Franken
http://www.olympic.org/museum/explore/programming/sochi-2014-programme/russian-avant-garde-artists-and-sport-programme

Mehr zum Thema auf art-magazin.de