The Logic of Magic - Hamburg

Voodoo-Rituale, Jesus-Toastbrot, Magie

Wenn die Logik traditioneller Weltbilder die komplexe, digitalisierte und globalisierte Realität nicht mehr erklären kann, bleibt nur eine letzte Strategie: Magie. 40 Studenten der Hochschule für bildende Künste in Hamburg zeigen mit der Ausstellung "The Logic of Magic", wie Kunst die Wirklichkeit mithilfe einer magischen, geheimnisvollen und subjektiven Logik greifbar machen kann.

Auf einem Fensterbrett steht ein Glasbehältnis, es ist gefüllt mit einem rätselhaften dunkelbraunen Trunk, daneben ein paar Gläser und eine Opferschale, in der persönliche Gegenstände liegen.

Wer sich von der Aufschrift "free sexual healing" (kostenlose sexuelle Heilung) nicht abschrecken lässt, ist eingeladen, von Joschka Korns geheimnisvoller Mixtur zu kosten. Was die Besucher der Ausstellung "Logic of Magic" in den Räumlichkeiten des Hamburger Vereins Frappant nicht wissen, ist, dass sie damit gleichzeitig an einem Voodoo-Ritual teilnehmen: "Am letzten Samstag der Ausstellung wird der Inhalt der Opferschale verbrannt und die Asche in einen Fluss geschüttet", sagt Korn. Es sei jedoch ein positives Voodoo-Ritual, bekräftigt er. Was genau es bewirken wird, bleibt sein Geheimnis, ebenso wie die Zutaten seines Zaubertrunks.

Joschka Korn gehört zu den 40 Studenten der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, die sich in den vergangenen Monaten einem Thema, das zunächst paradox klingt, gewidmet haben: der Logik der Magie. "Wir leben zunehmend in undurchsichtigen Zeiten", sagt Belinda Grace Gardner, Dozentin an der HfbK und Kuratorin der Ausstellung. "Während Nonstop-Informationen auf allen Kanälen und in allen Netzen uns umfassende Transparenz vorgaukeln, schwinden die Gewissheiten", erklärt Gardner. Im Zuge der Globalisierung und Digitalisierung wird die Wirklichkeit selbst immer verwobener und damit schwerer greifbar: "Die Realität selber hat sich in ihre virtuellen Emulationen und Nachbilder aufgelöst – in eine Kopie der Kopie der Kopie", sagt Gardner. Traditionelle Modelle der Welterklärung, ob religiöser oder ökonomischer Natur, können das komplexe Gefüge kaum noch fassen.

Gemeinsam mit ihren Studenten suchte Gardner neue, unkonventionelle, subjektive und rätselhafte künstlerische Wege, um der Wirklichkeit der Dinge auf die Schliche zu kommen. Entstanden sind mehr als 40 Werke – Skulpturen, Bilder, Sound- und Videoinstallationen, Texte und eben auch Trünke –, die der Realität mit ihrer eigenen Logik, der Logik der Magie, begegnen. Wie sonst soll man eine Realität, die nahezu unerklärlich geworden ist, greifbar machen?

Die ausgestellten Arbeiten folgen ihrer eigenen, geheimnisvollen und subjektiven Logik. Ihre Entdeckungsreise geht über den Horizont der Alltagsrealität hinaus: Die Künstlerin Anika Schmidt beschäftigt sich in ihrer Arbeit "There’s nothing wrong with" zum Beispiel mit dem Bewusstseinszustand Trance und der dadurch erreichbaren körperlichen Schmerzlosigkeit – hierfür hämmerte sie über 1000 Nägel in eine Holzplatte. Jivan Frenster erkundet mit seiner Arbeit ebenfalls die kognitiven Fähigkeiten des Menschen. Mittels der Technik des intuitiven beidhändigen Zeichnens fertigte er eine annähernd symmetrische Zeichnung, die in ihren geschwungenen Linien der Optik des barocken Rahmens, in der er sie ausstellt, ähnelt: "Es findet ein direkter Fluss unbewusster Impulse statt, der von beiden Gehirnhälften gleichzeitig kontrolliert und aufs Papier übertragen wird. Das Ergebnis sind ungleichmäßig-symmetrische Ornamente", sagt er. Noah Sow lässt in ihrer Arbeit "Readymade Spirituality Remix", einem Multi-Media-Altar, die Symbolfiguren und Reliquien der Religion und des Konsums aufeinanderprallen: "Auf dem Altar wird neu verhandelt", sagt sie. Dort trifft unter anderem das Antlitz Jesu auf sein Ebenbild auf einem Toastbrot – ähnlich dem, das bei einer "heiligen" Auktion auf Ebay versteigert wurde.

Noch bis zum 9. Februar kann die Ausstellung "The Logic of Magic" in den Räumen des Hamburger Vereins Frappant besucht werden.

The Logic of Magic

Frappant e.V. – in der Viktoria-Kaserne, Hamburg-Altona, bis 9. Februar 2014
http://frappant.org/archives/5652

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