Marcel Wanders - Amsterdam

Glamour für die Möbelbranche

Mit der Ausstellung "Pinned Up" nimmt das Stedelijk Museum in Amsterdam das Werk des niederländischen Designers Marcel Wanders unter die Lupe wie ein Insektenforscher seine angepinnten Studienobjekte. Die dreiteilige museale Analyse zeigt über 400 Werke.

Der Ort des Geschehens ist eigentlich völlig verkehrt: "Design gehört nicht ins Museum, sondern ins Zuhause der Menschen", betont Marcel Wanders, der im vergangenen Jahr seinen 50. Geburtstag feierte, immer wieder, das ist sein Credo.

Aber nach 25 erfolgreichen Schaffensjahren, so Ingeborg de Roode, Stedelijk-Konservatorin für industrielle Formgestaltung, sei es Zeit für eine museale Analyse seines Oeuvres: "Immerhin ist Wanders einer der wichtigsten Designer unserer Zeit!"

Deshalb auch der Titel seiner bislang größten Übersichtsausstellung: "Pinned up". Und das dazu passende Foto, das Wanders als aufgespießten flügellosen Schmetterling zeigt: Die Stedelijk-Schau nimmt sein Werk unter die Lupe wie ein Insektenforscher seine Studienobjekte. In diesem Fall sind es mehr als 400 – Lampen, Möbelstücke und Apparate, Besteck, Tapeten und Schmuck, aber auch Videos und Fotos von Interieurs, die Wanders gestaltet hat.

Angefangen bei Werken, die ihm den Durchbruch bescherten, wie die "Set Up Shades"-Lampen von 1989 oder der 1996 entstandene "Knotted Chair", bei dem Wanders als Erster traditionelle Handwerks- und Handarbeitstechniken wie Makramee mit Hightech-Material kombinierte. Bis hin zu neuesten Arbeiten wie einer Special Edition seiner bekannten "Egg"-Vase: "Wir wissen auch noch nicht, wie sie aussieht, wir sind gespannt!", so Konservatorin de Roode.

Neu ist auch der "Carbon Balloon Chair" von 2013, der erstmals in Europa zu sehen ist: Wie schon der "Knotted Chair" ist er ebenfalls aus innovativem Material, in diesem Falle einem Kohlenstoffgewebe. Aufgeblasen ähnelt er länglichen Luftballons, wie sie Clowns gerne verwenden und dann zu Hunden oder anderen Figuren verdrehen und verknoten. Wanders hat daraus einen Stuhl gemacht.

Die Ausstellung ist dreiteilig aufgebaut. Im ersten Teil, der White Zone, wird sein Oeuvre nach zehn Gesichtspunkten wie Handwerk, Oberfläche, Archetypen oder Innovation analysiert. Weiß deshalb, weil es für nüchtern steht, für sachlich. In der Black Zone hingegen wird es theatralisch und emotional, hier steht das Experimentelle im Vordergrund – und Wanders’ dunkle Seite: "Die zeigt er in letzter Zeit mehr und mehr", weiß de Roode. Bestes Beispiel: der "Monster Chair" mit aufgenähten Ungeheuern.

Der dritte Teil der Schau ist seinen Fotoarbeiten gewidmet und seinem Erfolg als Art Director, den er seit 2001 mit seinem Designlabel MOOOI feiert: Ziel war es, Design wieder funktioneller zu machen und unter die Leute zu bringen. Als einer der Ersten hat Wanders deshalb seine Entwürfe in Broschüren und Anzeigen frech und sprühend wie Mode präsentiert und der bis dahin eher grauen Möbelbranche das Flair und den Glamour der Catwalks verliehen. 25 Prozent der MOOOI-Kollektionen kommen aus seinem eigenem Studio, der Rest von Kollegen und vielversprechenden Nachwuchsdesignern. Von ihnen haben sich viele inzwischen einen Namen gemacht, Studio Job zum Beispiel oder Bertjan Pot. Auf der Amsterdamer Schau werden auch sie unter die Lupe genommen – und angepinnt.

Marcel Wanders – Pinned Up

Amsterdam, Stedelijk Museum, bis 15. Juli

Der Katalog kostet im Museum 29,90 Euro
http://www.stedelijk.nl/en/exhibitions/marcel-wanders-pinned-up-at-the-stedelijk

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