Redon und Ensor - Basel

Die Büchse der Pandora

Zwei Ausstellungen feiern Fantasten der Jahrhundertwende: die Maler James Ensor und Odilon Redon

Das Hintergründige, Unerklärliche, Beunruhigende in der Kunst hat einen Namen: Symbolismus.

Die Symbolisten setzten dem zum Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschenden Realismus und Naturalismus, den theoretisch fundierten Farbexperimenten der Impressionisten eine symbolbefrachtete Ideenkunst entgegen, die tief in Albträumen und im Spiritualismus verwurzelt war.

Dabei erregten die Maler beim Betrachter das unangenehme Gefühl, etwas Unerhörtem beizuwohnen, nicht nur durch grinsende Totenschädel und krallenbewehrte Nachtmahre. Auch in blühenden Bäumen und zwischen prachtvollen Blumen lauert das Ungute. In Basel ist nun gleich zweimal die Möglichkeit, die Ausdrucksformen des Symbolismus in Ausstellungen zu erkunden: In der Fondation Beyeler in Basel/Riehen ist es der Franzose Odilon Redon (1840 bis 1916), im Kunstmuseum Basel der Belgier James Ensor (1860 bis 1949).

Ensors berühmteste Motive sind die Masken. Sie scheinen dem Fundus eines Kostümverleihs zu entstammen, und ihre Träger wirken auf den ersten Blick wie ein farbtrunkenes, närrisches Volk – die toten, konvulsisch verdrehten Augen, der bösartige, verschlagene Blick, die wie im Veitstanz gekrümmten Körper lehren jedoch, dass unter der Karnelvalsmaske nichts Gutes oder gar Heiteres steckt. Weniger offensichtlich wird das bei Odilon Redon. In der Fondation Beyeler muss man genau hinsehen, bis sich das Hintergründige offenbart: Man liest den Titel "Wagen des Apollo" – und sieht ein aus dem Lot geratenes Pferdegespann dem dunklen Meer mit Seeungeheuern entgegentorkeln. Und die schöne, junge Frau inmitten einer Blütenpracht ist die Unheilsbringerin Pandora, die durch das Öffnen der Büchse Sünde und Unheil in die Welt brachte.

James Ensor und Odilon Redon waren Visionäre. Vor allem die kühne Farbigkeit, der heftige Pinselduktus und die verstörenden Motive Ensors hatten Auswirkungen auf die Expressionisten und Surrealisten der nachfolgenden Generation.

Ensor und Redon

Die überraschten Masken: James Ensor
Basel, Kunstmuseum

bis 25.5.

Odilon Redon
Basel/Riehen, Fondation Beyeler
bis 18.5.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten in der Fondation Beyeler ermäßigten Eintritt. Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag und kostet 49,80 Euro

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