Corinne Wasmuht - Kiel

Techno im Altmeister-Stil

Corinne Wasmuhts detailreiche, perspektivisch aufgebaute Bilder wirken wie entfremdete Technovisionen städtischer Räume. Die Kunsthalle zu Kiel zeigt mit 19 Werken, wie sich ihre Kunst im Laufe der Jahre gewandelt hat.

Wenn die Berliner Malerin Corinne Wasmuht über ihre Kunst spricht, dann kann es schon mal passieren, dass sie ihren Kollegen Gerhard Richter zitiert: "Meine Bilder sind klüger als ich."

Das heißt: Bevor Wasmuht (geboren 1964 in Dortmund) in ihrem Atelier beginnt, hat sie immer schon ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn sie am Rechner damit beginnt, aus gesammeltem Bildmaterial Vorstufen zu collagieren.

Doch das, was dann im nächsten Schritt während des oft monatelangen Malprozesses im Zusammenspiel von Kopf- und Körperarbeit passiert, ist nur bis zu einem gewissen Grade steuerbar. Dabei ist der Künstlerin – was das Malen betrifft – alles Gestische fern. Ihre aktuellen, detailreich ausformulierten Großformate, die sie in mehreren Durchgängen mit altmeisterlichem Pinselstrich auf Holz bringt, wirken oft wie entfremdete Technovisionen städtischer Räume: Geisterhafte Menschenfiguren tauchen zwischen verzerrten, einander gegenseitig überlagernden Architekturen auf und verschwinden, woher das Licht kommt, bleibt rätselhaft.

Mittlerweile gehört die Malerin, die in Peru und Argentinien als Tochter eines deutschen Ingenieurs aufwuchs, bevor sie Mitte der Achtziger an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, zu den wichtigen Künstlern ihrer Generation: 2011 holte die Biennale-Kuratorin Bice Curiger ein Wasmuht-Bild für ihre ILLUMInations-Schau nach Venedig. Werke von Wasmuht sind in vielen wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland und anderswo vertreten.

Mit 19 Bildern aus den letzten 25 Jahren ist es in Kiel nun möglich zu verfolgen, wie sich die Bilder im Laufe der Jahre gewandelt haben: von den frühen Frisurenparaden ("Haare", 1992) über Prismenbilder, in denen kristalline Quader mit erstarrten Menschenfiguren wie riesige geschliffene Bernsteintürme emporwuchsen ("Menschen im Kunstlicht", 1999) hin zu den weiten, perspektivisch aufgebauten Stadträumen, nur noch schemenhaft von Autos und Passanten durchkreuzt.

Corinne Wasmuht – Supraflux

Kunsthalle zu Kiel, 15. Februar bis 9. Juni 2014

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Ein Katalog erscheint im Kerber Verlag.
http://www.kunsthalle-kiel.de/de/ausstellungen/vorschau.html