Harald Metzkes - Dresden

Ein Refugium reiner Malerei

Das Leonhardi-Museum zeigt eine Kleine, feine Werkschau von Harald Metzkes, der die erprobte DDR-Kunst unterlief

Ein Palettentisch, auf dem sich seit 1960 Farben ablagern, steht in Harald Metzkes’ Atelier. 15 Zentimeter dick ist die Schicht aus Sedimenten.

Das Möbel könnte, sägte man es auf geologische Weise in der Mitte durch, Auskunft geben über die Wandlungen eines Künstlerlebens. Anlässlich von Metzkes’ 85. Geburtstag feiert das Leonhardi-Museum in Dresden derzeit ebenjenes Künstlerleben.

1929 in Bautzen geboren, studierte dieser Vollblutmaler bis 1953 an der Dresdner Kunstakademie bei Wilhelm Lachnit (1899 bis 1962). Frühe Werke zeigen noch solche lokalen Einflüsse einer stillen Gegenständlichkeit, die sich abseits von Pathos, Propaganda und Erzählerischem entfaltet. Als Meisterschüler in Berlin bei Otto Nagel (1894 bis 1967) gerät Metzkes später in den Bannkreis der sogenannten "Berliner Schule", setzt auf düstere Töne und die Werke großer Vorbilder der Moderne. Gustave Courbet inspiriert ihn und immer wieder Paul Cézanne. Knappe, kantige Formeln wie "Die Wilddiebe" (1956) zeigen diese Liebe zur frühen Moderne.

Diese Werke überraschen – besonders, weil sie erprobte Klischees zur DDR-Kunst unterlaufen. Metzkes’ Oeuvre beweist eindrücklich, dass es inmitten der von Formalismusverdikten und Heldendoktrinen beherrschten Kunstlandschaft Ostdeutschlands durchaus unaufgeregte Refugien reiner Malerei gab. Zu solchen wichtigen Einsichten führt die kleine, feine Werkschau, die auch viele seltene Schlüsselgemälde aus Metzkes’ eigenem Besitz versammelt. Zudem hat hier die lebenslange Freude des Künstlers an Literatur und Theater ihren Auftritt. Auf dem Bild "Meine Universitäten" (2012) etwa tummeln sich Cervantes’ Romanhelden Don Quijote und Sancho Panza unter einem höchst gegenwärtigen Windpark. Mit derlei literarischen Zitaten inszeniert Metzkes seine zeitlosen Fluchten aus der Realität. Oder wie Museumschef Bernd Heise erklärt: "Für Metzkes ist Malerei eine Existenzweise."

Harald Metzkes

Dresden, Leonhardi-Museum
Bis 23.3.
Der Katalog kostet 25 Euro. Weitere Ausstellung: bis 22. März, Galerie Leo.Coppi, Berlin
http://www.leonhardi-museum.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3&Itemid=4