The Great War - London

Erschütterung der Welt

Die National Portrait Gallery zeigt den ersten Weltkrieg in Porträts.

Der Erste Weltkrieg heißt in Großbritannien "The Great War". Er war der erste globale Konflikt, aus dem das britische Empire, wenn auch stark geschwächt, als einer der Sieger hervorging.

Die Schau in der National Portrait Gallery möchte aber nicht Militärgeschichte schreiben, sondern, wie Kurator Paul Moorhouse sagt, "die komplexe Spannweite menschlicher Erfahrungen erkunden".

Als eine Art Prolog dient eine der ersten modernistischen Skulpturen, Jacob Epsteins "Rock Drill" (1913). Der Maler David Bomberg nannte die erste Version des wie ein Mensch aussehenden Monsters aus Gips auf einer gigantischen Bohrmaschine "ein prophetisches Symbol des drohenden Krieges". Die beiden ersten Abteilungen der Schau zeigen dann Porträts der gekrönten Häupter, die ihre Untertanen in den Krieg schickten, gefolgt von den Politikern, die ihn vorbereiteten, und den Militärführern, die ihn planten und durchführten. Fast wie eine Fußnote hängt am Ende der Abteilungen ein Foto des jungen serbischen Nationalisten Gavrilo Princip, dessen Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand der unmittelbare Kriegsauslöser war. Der Hauptteil der Schau untersucht dann, wie die Auswirkungen dieser internationalen Katastrophe auf den einzelnen Menschen mit den unterschiedlichsten visuellen Mitteln dargestellt wurden. Besonders eindrucksvoll hier Porträts von Soldaten mit grotesk verstümmelten Gesichtern, ganz nüchtern und sachlich fotografiert von Harold Gillies und mit Pastellkreide gezeichnet von Henry Tonks.

In der letzten Abteilung suchen englische und deutsche Künstler nach Antworten auf die Fragen einer grundlegend veränderten Welt. Während englische Maler wie Glyn Philpot, der 1917 den verwundeten Dichter Siegfried Sassoon porträtierte, oder William Orpen, der sich im selben Jahr als Soldat mit grünem Helm an der Front dargestellt hat, eher distanziert erscheinen, bilden deutsche Maler wie Max Beckmann und Otto Dix den Horror des Krieges ab.

The Great War in Portraits

London, National Portrait Gallery
27.2.–15.6.
Der Katalog zur Ausstellung kostet 18,95 Pfund
http://www.npg.org.uk/whatson/firstworldwarcentenary/exhibition.php

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