Zeitz Museum of Contemporary Art - Kapstadt

Schnitzkunst für Afrikas Moderne

In Kapstadt höhlt Architekt Thomas Heatherwick ein Getreidesilo zum "Zeitz Museum of Contemporary Art" aus. Der neue Inhalt: afrikanische Gegenwartskunst aus der Sammlung des Ex-Puma-Chefs Jochen Zeitz.
Ausgehöhlt:Aus einem Getreidesilo wird in Kapstadt ein Museum

Außenansicht des geplanten "Zeitz Museum of Contemporary Art" (MOCAA) in Kapstadt, Rendering

Wie Luftschächte eines gigantischen Termitenbaus ragen sie in die Höhe: 42 Betonröhren eines Getreidesilos an der V&A Waterfront, der Flaniermeile von Kapstadt.

Im Jahr 1921 wurden sie dicht an dicht erbaut, keine der Röhren ist breiter als fünfeinhalb Meter, der Tageslichteinfall ist minimal – alles andere als ideale Voraussetzungen für die Umgestaltung einer Industrieruine zu einem Museumskomplex. Doch genau das war Ziel des Briefings, das Thomas Heatherwick auf seinen Schreibtisch flatterte. Der Brite, der schon Ungewöhnliches wie eine Riesenquaste aus 60 000 transparenten Stäben als britischen Pavillon für die Expo 2010 in Shanghai erdachte und London eine vielgliedrige Fußgängerbrücke sowie einen futuristischen Doppeldeckerbus designte, biss an.

Sein Vorschlag: aus dem Inneren des Säulenwaldes eine Ellipsenform herausschnitzen. Dann in den umliegenden halbierten Röhren Glasaufzüge integrieren, die zwischen den neun Etagen auf- und absausen, und Wendeltreppen, die sich, von dem dann entstandenen, lichtdurchfluteten Atrium aus betrachtet wie gigantische Kernbohrer in die Erde zu schrauben scheinen. Die kathedralenartige Vision, die ein bisschen an die Sagrada Família erinnert, überzeugte.
"Wir haben ganz schön mit der starren Struktur des Baus kämpfen müssen, die keinen einzigen großflächigen Raum bietet", so Heatherwick. Doch statt das Silo komplett zu entkernen, wollte er die Röhren-Struktur erhalten. So plant er, die restlichen Rohre bis auf ihre gewölbten Außenwände wegzuschneiden und so Platz für klassische Galerieräume zu schaffen.

Ein ehrgeiziges Projekt mit dem ihm und seinem Mitinitiator, Ex-Puma Chef und Unternehmer Jochen Zeitz, ein großer Coup gelungen ist. Seine Sammlung zeitgenössischer afrikanischer Kunst nämlich, die wohl mittlerweile bedeutendste, jedoch innerhalb von nur rund sechs Jahren zusammengekaufte Sammlung dieser Art, wird in dem nach ihm benannten "Zeitz Museum of Contemporary Art Africa" (Zeitz MOCAA) permanent ausgestellt sein. Beim Kunsterwerb beraten wurde der Unternehmer von Mark Coetzee, früher Advisor der Rubell Family Collection, Miami. Allein auf der letzten Venedig-Biennale kaufte er den kompletten angolanischen Pavillon mit den Fotografien von Edson Chagas sowie zahlreiche Arbeiten aus dem südafrikanischen Pavillon. Daneben zeigt das Museum auch Wechselausstellungen afrikanischer Künstler: Das Atrium bietet Platz für monumentale Auftragsarbeiten, ein Tunnelsystem unter dem Silo ungewöhnliche Räumlichkeiten für temporäre Interventionen.

Bis Besucher auf dem Dach des Museums-Silos über die verglasten Rohre durch den Skulpturengarten mit Blick auf Promenade, Hafen und Tafelberg flanieren können, dauert es jedoch noch. Die Eröffnung ist 2016 geplant.

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