Wenn Ausstellungstitel zuviel versprechen - Stuttgart

Big names

"Name dropping" muss auch im Kunstbetrieb sein, doch die Staatsgalerie Stuttgart hat es etwas übertrieben

Das Brötchen enthält Omega-3-Fettsäuren, der Softdrink Vitamin C und die Schokolade eine extra Portion Milch. Auch im Kunstbetrieb wird immer mehr versprochen als geboten. Name dropping muss sein. Das hat die Staatsgalerie Stuttgart jetzt allerdings zu kühn betrieben.

Unter dem Titel "Brueghel, Rubens, Ruisdael" wurden "Schätze aus der Hohenbuchau Collection" präsentiert. Bloß: In der Ausstellung zur Goldenen Zeit, die am 23. Februar zu Ende ging, hing jeweils nur ein Werk von Rubens, eines von Salomon und eines von Jacob van Ruisdael. Und das eine Bild von Brueghel war nicht einmal vom populären "Bauern-Brueghel" Pieter, sondern von Jan Brueghel dem Jüngeren.

Das wollten sich einige Besucher der Staatsgalerie Stuttgart dann doch nicht gefallen lassen und es hagelte Kritik. Dabei gehören schlagkräftige Parolen wie "Die schönsten Franzosen" längst zum Ausstellungsgeschäft – selbst wenn hinter den "Meisterwerken" nur Grafiken stecken oder der "neue Blick" nur auf mittelmäßige Nebenwerke fällt.

Die Stuttgarter Museumsdirektorin Christiane Lange hat Ihre Lehre aus den Beschwerden gezogen und will künftig mit Pünktchen arbeiten. Also statt „Brueghel, Rubens, Ruisdael" heißt es in Zukunft dann "Brueghel, Rubens, Ruisdael…"

Aber Lange wird wie ihre Kollegen auch weiterhin auf Schlagworte und auf big names setzen – und man kann es nicht mal verübeln. Denn der Mensch will eben nicht nur bei Softdrinks und Schokolade verführt sein, sondern auch in Sachen Kunst. In den Beschwerdebriefen an die Staatsgalerie gaben viele Besucher ganz unumwunden zu: Ohne die großen Namen im Austellunsgtitel wären sie überhaupt nicht erst in die durchaus sehenswerte Schau gekommen.