Brucennial - New York

Ladies First

Eine Biennale nur von Künstlerinnen – das veranstaltet ausgerechnet die Underground-Macho-Truppe Bruce High Quality Foundation. New-York-Korrespondentin Claudia Bodin berichtet von der Gegenveranstaltung zur Whitney Biennial.
Gegenbiennale:eine Ausstellung nur von Künstlerinnen

Die Frauen sparen nicht an Witz: "Girls Only", eine Toilette ohne Sitz von Antonia March

Natürlich kann man sich fragen, warum ausgerechnet ein überwiegend oder komplett (so genau weiß man das nicht) von Männern besetztes Künstlerkollektiv eine Biennale für Frauen veranstaltet.

Aber das spielt weiter keine Rolle, wenn man das Ergebnis betrachtet – und vergisst, dass sich anscheinend ein paar männliche Künstler (unter Pseudonym) in die Gruppenshow eingeschlichen haben.

Die weitgehend anonym arbeitende Truppe Bruce High Quality Foundation hat trotz Museumsshow (im Brooklyn Museum in 2013) und prominenter Fans wie Julian Schnabels Sohn Vito, der die Truppe als Galerist vertritt, oder dem privaten Kunsthändler (und Partner von Ex-Sotheby´s-Frontmann Tobias Meyer) Mark Fletcher Probleme, richtig ernst genommen zu werden. Dass bei der Eröffnung der alternativen Biennale, die die Truppe parallel zur offiziellen Biennale im Whitney Museum in einem leerstehenden Laden im Shopping-Paradies Meatpacking District in Downtown Manhattan steigen ließ, das Gerücht umging, die Bruces hätten das Guinness Weltbuch der Rekorde kontaktet, half auch nicht gerade. Die Truppe soll sich mit der Ausstellung, die 660 Arbeiten von Künstlerinnen zeigt, als größte, jemals organisierte weibliche Gruppenshow für einen Eintrag beworben haben. Was ein paar Jungs dazu veranlasste, beim Opening Macho-Musik von AC/DC aufzudrehen und sich gegenseitig Champagner in den Mund zu kippen.

Was die Bruces und Vito Schnabel an Arbeiten einsammelten und ausstellen, ist ein spannender Mix an bekannten großen Namen (Jenny Holzer, Marilyn Minter, Laurie Anderson, Laurie Anderson, Cecily Brown, Barbara Kruger oder Hanna Linden) und unbekannten Namen aller Altersklassen. Videos, Malereien, Photos und Zeichnungen füllen die Wände bis zum Fußboden. Es gibt keine Rangordnung und keine Sektionen. Mit dem Ergebnis, dass die vielen Werke eine wunderbar wilde Einheit bilden. Niemand tut sich groß hervor. Kein Kurator versucht, die Richtung vorzugeben oder hebt irgendeine Künstlerin auf ein Podest. Der Name der Künsterlinnen steht unter oder neben den Arbeiten mit Bleistift an die Wand geschrieben.

Laura Linda Miller lässt ein Stück Hühnchen an einem Mobile baumeln. Danielle Ho malte den kürzlich verstorbenen Philip Seymour Hoffman, Zaria Forman Gletscherlandschaften. Carol Bove zeigt eines ihrer Pfauenfeder-Bilder. ”Trust Yourself” erklärt Tracey Emin mit einem ihrer Neon-Zeichen. Liz Cohen posiert mit schwangerem Bauch als Bikini-Girl in ihrem aufgemotzten Trabi. Antonia March stellte eine Toilette auf, bei der sie den Toilettensitz entfernt hatte. ”Girls Only” steht an der Kloschüssel. Die Multimedia-Künstlerin Faith Holland ist mit einer Brust-Parade vertreten. Marilyn Minter steuerte aufreizende Bilder von der weiblichen Schamzone bei.

Die Frauen sparen nicht an Sex oder provokanten Videos. Es gibt elegante Formspiele, trashige Malereien, Arbeiten mit Biss und Witz und kämpferische Ansagen. Diese so weibliche Show wirkt in ihrer Vielfalt wie jede andere Gruppenausstellung. Es sei ihre letzte Brucennial verkündete die Künstler-Truppe. Die erste stieg 2008 in einem Laden im tiefsten Brooklyn, den die Künstler als Atelier nutzten. Zwei weitere Ausgaben in Manhattan folgten. ”Es ist keine kuratierte Gruppenshow oder Salbungs-Zeremonie für den Kunstmarkt oder misst die Temperatur ... Es ist ein Fest und ein Katalysator einer weiter wachsenden Gemeinschaft von Künstlern", schreiben die Bruces auf ihrer Website. Und noch etwas läuft anders auf dieser Biennale. Die Arbeiten sind durchaus käuflich. Bei Interesse schießt man am besten ein Foto von der Arbeit und schickt eine Email an Vito Schnabel. Der regelt das dann, erklärt einer der jungen Männer, der an einem Klapptisch über die Ausstellung wacht. Heidi Klum hat gleich eines gekauft, postete sie auf Instagram.

Trailer für die Brucennial

The Last Brucennial

837 Washington Street, New York City
bis 4. April


http://brucennial.com/

Mehr zum Thema im Internet