Sammlung Wemhöner - Berlin

Konzentration auf die Poesie

Raus aus dem Depot: In den Berliner Osram-Höfen zeigt der Herforder Unternehmer Heiner Wemhöner Fotografie, Malerei und Skulptur aus seiner noch nie öffentlich ausgestellten Sammlung.

Die Motive, die Darren Almond bei Vollmond fotografiert, bleiben für das bloße Auge verborgen. Erst die langen Belichtungszeiten schälen Landschaften wie das Huang-Shan-Gebirge in China aus dem Dunkel heraus.

So ähnlich verhält es sich auch mit der Sammlung von Heiner Wemhöner: Von den rund 600 Werken, darunter auch die von Almond, die er in den letzten Jahren zusammengetragen hat, verschwanden die meisten ins angemietete Depot des Marta. Bis jetzt. Nun nutzt der Spezialist für Holzveredelungen mit Firmen in Herford und China die Gelegenheit, Teile der Sammlung ans Licht zu holen: In den Osram-Höfen, auf der ehemaligen Fabriketage von Max Hetzler, macht er sie für sich und die Öffentlichkeit erlebbar.

Nach sechs Jahren des Sammelns war das Selbstbewußtsein groß genug

In der 1900-Quadratmeter-Halle hätte ein Großteil seiner Fotokunst, Skulpturen und Riesenleinwände Platz gehabt. Doch der westfälische Unternehmer und der Kurator Philipp Bollmann haben der Versuchung widerstanden, Wände zuzupflastern oder mit grell-erotischen Werken zu bombadieren, wie es sie etwa von In Sook Kim durchaus in der Sammlung gibt. Stattdessen schickte der 26-jährige Kurator 25 bereits ausgewählte Werke zurück nach Herford und konzentrierte sich auf elegisch-poetische Arbeiten, die ihre brisanten Inhalte mit reduzierter Ästhetik verschleiern. Vor allem die großformatigen Fotografien – der Sammlungsschwerpunkt – eint eine entrückte Stimmung. Die Serie des jungen Chinesen Chen Xiaoyun etwa, der mit trockenen Ästen der Bedeutung(slosigkeit) von Individuen nachspürt. Oder die Stills aus Isaac Juliens Video "Playtime", auf denen er einen Broker, der gerade sein Vermögen verloren hat, und ein philippinisches Hausmädchen, das im Luxuspenthouse in Dubai gefangen ist, als Opfer der Macht des Geldes inszeniert. (Das 50-minütige Video wird zum Galerie Weekend, 2.-4.5. nachgereicht.) Auch die Fotos des jungen Schweizer Konzeptualisten Julian Charrière, der mit dem Gasbrenner Eisberge malträtiert und die Schmelze anheizt wirken wie aus der Zeit gefallen. "Die Künstler zeigen uns, dass wir unsere Welt anders wahrnehmen, wenn wir unsere gewohnten Pfade verlassen", so der Sammler. So widmet er auch einen ganzen Raum der Hybridfotografie des Berliners Michael Najjar, der sich in seiner Serie "outer space" bei Kosmonautentraining und Überschallflügen inszeniert – Vorbereitungen auf seinen Weltraumflug den Wemhöner großzügig mitfinanziert.

"Mein Lieblingsthema, schöne Frauen, kommt gar nicht mehr vor"

Dass der Sammler sich vor Jahren zum Kauf von dekorativen Italienszenen hinreißen ließ ist kaum vorstellbar. Auch die Lindbergh- und Peter Beard-Fotos, die bei ihm zuhause an Fachwerkbalken hängen, sind Welten entfernt. "Die Neuankäufe werden immer jünger und zeitgenössischer", so der Kurator, der "subtile Bezüge zwischen unterschiedlichsten Medien" erzeugen will. Das gelingt ihm mit Andreas Mühes Polaroid-großen Fotos der schlichten DDR-Bonzen-Waldsiedlung "Wandlitz", an die man sich erinnert, wenn man in der tannengrünen Hütte der Berliner Künstlerin Alexandra Ranner einen abgetrennten Kopf singend auf einem Fluss treiben sieht und sich daneben von den vermeintlich heranrollenden Wellen auf den Bildern des Spaniers Carlos Irijalba täuschen lässt.

Und was ist mit den übergesehenen, blitzweißen Zahnreihen eines Chinesen-Trios von Yue Minjun, die einen aus der "Asien-Halle" angrinsen? "Das ist eine frühe Arbeit von 2003, als der Künstler noch kaum bekannt war", verteidigt Philipp Bollmann das Exponat. Heiner Wemhöner jedoch interessiert nicht, ob der China-Kunsthype vorbei sein könnte. Er sammelt Kunst, die Geschichten erzählt, eine "sinnliche Komponente" hat – nach der Ausstellung dann erstmal wieder fürs Depot.

EINBLICKE IN DIE SAMMLUNG WEMHÖNER,

OSRAM-HÖFE, BERLIN
23. März – 18. Mai 2014
Do–So 13–18 Uhr
Oudenarder Str. 16-20, Haus A
Aufgang 9, 3. Etage

http://www.sammlung-wemhoener.com

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