Die Göttliche Komödie - Frankfurt

Willkommen in der Hölle

Kurator Simon Njami erweitert den eurozentristischen Blick auf Dantes epochales Werk: 53 afrikanische Künstler erkunden seine drei Jenseitsreiche.

Der Mann hat eine Einkaufstasche über den Kopf gestülpt. Wir wissen nicht, ob er schwarz oder weiß ist, asiatisch aussieht oder arabisch. Auf der Tasche im USA-Design steht Bohnenwerbung auf Portugiesisch.

"Oikonomos" hat Edson Chagas eine Fotoserie genannt, auf denen Menschen Einkaufsbeutel unterschiedlicher Länder über den Köpfen tragen und auf diese Weise hinter dem Konsum zu verschwinden scheinen. Chagas, dessen Arbeit im angolanischen Pavillon auf der Venedig-Biennale 2013 ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich häufig mit den Wechselwirkungen von Kapitalismus und Tradition. Was dem, der im Überfluss lebt, als Konsumhölle erscheinen mag, ist dem Bedürftigen womöglich das Paradies. Im MMK jedoch ist Chagas’ Serie im Bereich "Fegefeuer" angesiedelt. Genauso wie die zwei kopflosen Männerfiguren in exotisch gemus­terten Fräcken, die Yinka Shonibare mit Schusswaffen aufeinander losgehen lässt.

Das Konzept der Ausstellung ist irritierend: Werke von 53 afrikanischen Künstlern aus rund 20 verschiedenen Ländern werden in die drei Jenseitsreiche von Dante Al­i­ghieris "Göttlicher Komödie" – einem Epos aus dem 14. Jahrhundert – gruppiert. Kurator Simon Njami, dessen Eltern aus Kamerun stammen, geht es darum, den eurozentristischen Blick auf Dantes Inkunabel zu erweitern und die philosophischen, moralischen und theologischen Fragen in die Gegenwart zu übertragen. "Mit der Ausstellung, so Njami, "möchte ich auf das Schicksalhafte von Machtverhältnissen aufmerksam machen."

Im Museum wartet das Paradies kurio­serweise im Erdgeschoss, und zwar – wie im Koran versprochen – mit 72 Jungfrauen, deren Kostüme Majida Khattari hier platziert hat, bis sie bei einer Performance zum Leben erweckt werden. Ob jedoch die Installation von Zoulikha Bouabdellah – Damenpumps, die in ausgesparten Löchern von islamischen Gebetsteppichen stehen – tatsächlich einen paradiesischen Zustand beschreibt, ist die Frage.

In der dritten Etage hängen schließlich Gestank verströmende Flaschen von Wangechi Mutu von der Decke, aus denen fragwürdige Nahrung in Teller tropft – willkommen in der Hölle.