Kasimir Malewitsch - Bonn

Vom flauen Witz zur Ikone

Im Zeichen des Quadrats: das gesamte Oeuvre des russischen Suprematisten.

Als Kasimir Malewitsch (1878 bis 1935) noch in kurzen Hosen steckte, lachte halb Paris schon über ein "Schwarzes Quadrat".

Ein Komiker gab 1882 seiner schwarzen Leinwand den Titel "Kampf der Neger in einer Höhle in der Nacht" und nahm die Revolution der modernen Kunst als flauen Witz vorweg. 1915 lachte dann allerdings niemand mehr: Im Geheimen hatte Malewitsch Bilder aus lauter geometrischen Formen gemalt und für die heute legendäre Ausstellung "0-10" im damaligen Petrograd aufgespart. Sein "Schwarzes Quadrat" auf weißem Grund hängte er in einer Ecke unter der Decke auf – in Russland traditionell der Platz für die Ikonen. Es wurde zur Ikone des Suprematismus, den Malewitsch begründete – ein konsequent gegenstandsfreier Stil der Moderne.

Kein schwarzes, aber immerhin ein rotes Quadrat leuchtet über der großen Überblicksschau "Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde", die nun in abgewandelter Form aus dem Amsterdamer Stedelijk Museum in die Bonner Bundeskunsthalle kommt und den ganzen Malewitsch in seiner Zeit vorführt – auch dank bedeutender Leihgaben aus den Sammlungen Khardziev und Costakis.

Zu sehen sind knapp 350 Werke, die von Malewitschs Anfängen, in denen er westliche Kunstströmungen wie ein Schwamm aufzusaugen schien, bis zu seiner späten, umstrittenen Wiederannäherung an die gegenständliche Malerei reichen. Die suprematistischen Arbeiten werden durch Werke von russischen Zeitgenossen ergänzt.

Einen interessanten Seitenblick auf den Suprematismus erlaubt das Kunstmuseum Basel mit der Ausstellung "Kasimir Malewitsch ­– Die Welt als Ungegenständlichkeit" (1. März bis 22. Juni): Das Museum zeigt Zeichnun­gen, die den Illustrationen in Malewitschs wegweisendem Buch gleichen Namens als Vorlage dienten.

Kasimir Malewitsch und die Russische Avantgarde

Bundeskunsthalle
bis 22. Juni
http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/kasimir-malewitsch.html