Witness - New York

Wir wollten eine Revolution

Nicht die Hoffnung aufgeben! Man kann mit Kunst die Welt verändern: Politkunst aus der Zeit der großen Unruhen in den USA.

Vor 50 Jahren unterzeichnete US-Präsident Lyndon B. Johnson die amerikani­sche Bürgerrechtserklärung, den Civil Rights Act.

Das Brooklyn Museum nahm das Jubiläum zum Anlass, sich einem Kapitel der Kunstgeschichte zu widmen, dem in Amerika bislang nicht besonders viel Beachtung geschenkt wurde: der politischen Kunst der sechziger Jahre, als die Menschen gegen Gewalt, Rassismus und Krieg protestierten und die Diskriminierung von Afroamerikanern für illegal erklärt wurde.

Kuratorin Teresa A. Carbone tat sich mit Geschichtsprofessorin Kellie Jones von der Columbia University zusammen und grub die Arbeiten von vergessenen Künstlern aus: darunter die Mitglieder des afroamerikanischen New Yorker Kollektivs "Spiral", die Textilkünstlerin Jae Jarrell, die ihre zusammengenähten Protestarbeiten in Form von Kleidungsstücken am Körper trug. Oder die Malerin Virginia Jaramillo, die mit ihren in dunklen Farben gehaltenen Abstraktio­nen auf ihre Lebensumstände als schwarze Künstlerin reagierte.

66 Künstler sind mit mehr als 100 Werken vertreten – darunter berühmte Fotografen wie Richard Avedon oder Magnum-Mitglied Bruce Davidson und große amerikanische Namen wie der äußerst politische Robert Indiana mit einem Werk aus seiner "Confederacy"-Serie, mit der er Gewalt und Rassismus kritisierte, Objektkünstler Edward Kienholz mit seinem schwarz-weißen Zwillingspaar oder der Maler Jack Whitten mit seiner Collagearbeit "Birmingham 1964 ", mit der er versuchte, die Übergriffe gegen Schwarze in seinem Heimatstaat zu verarbeiten.

Vom damaligen Kunst-Establishment wurden politisch motivierte Arbeiten in einer Zeit, in der die Pop Artists die Abstrakten Expressionisten ablösten, weitgehend ignoriert. "Politischer Inhalt und hohe Kunst standen im Gegensatz zueinander. Das hat sich auch heutzutage trotz all der aktuellen Probleme in diesem Land bis auf einige Ausnahmen, vor allem von jungen Künstlern, nicht geändert", meint Kuratorin Carborne. Im Katalog wird der inzwischen 80-jährige Bildhauer Mark di Suvero zitiert: "Wir waren gegen Kapitalismus. Proteste für Bürgerrechte und gegen den Vietnam-Krieg waren ein und dieselbe Sache." Di Suvero nahm 1967 an den Protestmärschen in Washington teil und wurde für sein Engagement sogar festgenommen. Er bringt auf den Punkt, was viele der Künstler antrieb: "Wir wollten keinen Traum, wir wollten eine Revolution."

Witness: Art and Civil Rights in the Sixties

Brooklyn Museum
bis 6. July
http://www.brooklynmuseum.org/exhibitions/witness_civil_rights/