Übergang vom Mittelalter zur Renaissance

Der erste Medienpolitiker

Am Übergang vom Mittelalter zur Renaissance nutzte Kaiser Maximilian die frisch erfundene Drucktechnik als gewiefter Medienpolitiker – das zeigt eine von Götz Adriani kuratierte Ausstellung in Tübingen
Der Kaiser als Medienstar:eine tolle Ausstellung zu einem spröden Thema

Teil aus der Holzschnittserie "Triumphzug Kaiser Maximilians I." vom Albrecht Altdorfer

Heute ist es selbstverständlich: Das Volk spricht mit. Als 1514 der Tübinger Vertrag geschlossen wurde, war es dagegen ein zähes Ringen. Den Bürgern sollten faire Prozesse und Mitsprache in der Regierung garantiert werden. Aber hielten sich die württembergischen Herzöge an das Papier? Auch dieser Frage geht die Ausstellung "1514 – Macht, Gewalt, Freiheit" nach. Die Kunsthalle Tübingen widmet sich dem "Vertrag zu Tübingen in Zeiten des Umbruchs". "Ein etwas sprödes Thema", sagt Götz Adriani, der die Schau mit dem Historiker Andreas Schmauder erarbeitet hat, aber auch "eine ungemein spannende Zeit".

Die Ausstellung zur "württembergischen Magna Charta" dokumentiert die Errungenschaften und Ideen, aber auch die Krisen und die politische Willkür der Zeit um 1514. Sie thematisiert das Ringen um den Vertrag zu Tübingen und beschäftigt sich mit dessen Protagonisten und den nach Freiheiten strebenden Bürgern und Bauern. Sie beginnt mit einem Blick in die Welt um 1500. Kopernikus entwickelt sein neues Weltbild, Machiavelli schreibt "Il Principe". Kaiser Maximilian I. regiert. "Er war der erste Medienpolitiker", sagt Adriani, er hat die junge Drucktechnik zur Propaganda genutzt und war "geschickt in der Veröffentlichung seiner Großtaten". Es werden 38 Holzschnitte ausgestellt aus dem "Triumphzug", in dem Künstler wie Albrecht Dürer und Hans Burgkmair Maximilians Ruhm darstellten.

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Die zentralen Merkmale und künstlerischen Umbrüche der Epoche: ein Schnellkurs zu Malerei und Architektur des Mittelalters

Es ist eine Zeit des Umbruchs – vom Mittelalter zur Renaissance. Dürer habe dafür die Symbole geschaffen, sagt Adriani. "Er hat die Ständegesellschaft dargestellt, vom Kaiser bis zum Bettler, vom Fürsten bis zu Patriziern und Bauern." Auch seine Meisterstiche wie "Ritter, Tod und Teufel" werden ausgestellt, da sie den Aufbruch zeigten, "aber es ist auch noch die Angst vor Tod und Jüngstem Gericht präsent".

Die Verfassung von Tübingen galt fast 300 Jahre, deshalb werden auch die Auswirkungen in den folgenden Jahrhunderten beleuchtet. Hegel hält das "gute alte Recht" für nicht mehr zeitgemäß. In einem Zeitschriftenbeitrag legt Friedrich Engels dar, dass die Bauern in dem Vertrag das Nachsehen gehabt hätten. Die Ausstellung endet in der Gegenwart, denn auch in der zeitgenössischen Kunst spielt die Epoche eine Rolle – wie bei Sigmar Polke, der Ornamente von Dürer und Altdorfer abstrahierte oder den Dürer-Hasen ironisierte.

1514 – Macht, Gewalt, Freiheit

Tübingen, Kunsthalle
bis 31.8.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Es erscheint ein Katalog im Jan Thorbecke Verlag für zirka 28 Euro

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