Mapplethorpe und Rodin - Paris

Experimente am Körper

Mit zwei großen Pariser Ausstellungen wird der Pionier homosexueller Fotografie Robert Mapplethorpe gewürdigt: Eine Retrospektive im Grand Palais macht den Anfang, gefolgt von einem spannenden Dialog im Rodin-Museum zwischen dem Meister der Körperfotografien und Auguste Rodin

Gleich mit zwei großen Ausstellungen soll der wichtigste Pionier homosexueller Fotografie, der New Yorker Robert Mapplethorpe, als bildender Künstler rehabilitiert werden.

Ein Künstler, für den, ähnlich wie für seinen Landsmann, den Surrealisten Man Ray ein halbes Jahrhundert vorher, Fotografie vor allem ein zeitgemäßes Werkzeug war, ein experimentelles Medium, um seine künstlerischen Visionen zu realisieren. Im Grand Palais werden in einer der umfassendsten Retrospektiven rund 250 Arbeiten des 1946 im New Yorker Ortsteil Queens geborenen und aufgewachsenen Mapplethorpe gezeigt, von ersten Collagen und Beispielen der ganz frühen Polaroids vom Anfang der siebziger Jahre bis zu den berühmten Auftragsporträts aus der New Yorker Kulturszene in den späten achtziger Jahren.

Mapplethorpe hatte am New Yorker Pratt Institute Zeichnung und Malerei studiert, was allzu oft vergessen wird, und experimentierte zusammen mit seiner damaligen Freundin Patti Smith in diversen Medien, ehe ein Freund und Gönner ihm 1971 eine Polaroidkamera schenkte, die ihn endgültig und ausschließlich zur Fotografie brachte. Wobei diese immer von der Kunstgeschichte beeinflusst blieb, egal, ob bei Akten oder Blumenbildern, vor allem von Renaissance-Künstlern wie Piero della Francesca oder Michelangelo, aber auch den surrealen Bildwelten eines Salvador Dalí.

Ohne auf die einschlägig bekannten Fotos Mapplethorpes aus der New Yorker SM-Schwulenszene oder die sexuell aufgeladenen Porträts seiner Partner zu verzichten, wird in Paris deshalb ausführlich die Arbeit mit seinen beiden weiblichen Musen, erst Patti Smith, dann ab den achtziger Jahren Lisa Lyon, erste Weltmeisterin im Bodybuilding, gezeigt.

Wie im Grand Palais stammen auch im Rodin-Museum fast alle Abzüge von der Stiftung Robert Mapplethorpe. Doch werden hier insgesamt 102 Körperfotografien Mapplethorpes 50 Skulpturen von Auguste Rodin gegenübergestellt, eine unerwartete Konfrontation zweier völlig unterschiedlicher Künstler des 19. und des 20. Jahrhunderts. Doch was auf den ersten Blick unvereinbar scheinen mag, hier die Obsession für den männlichen, dort für den weiblichen Körper, hier das Einbeziehen von Zufall und Improvisation, dort die Suche nach vollendetem Perfektionismus, entwickelt sich zu einem spannenden Dialog zweier Künstler, die in völlig unterschiedlichen Medien dasselbe Phänomen untersuchten: die plastische Darstellung des menschlichen Körpers im Raum.

Robert Mapplethorpe / Mapplethorpe – Rodin

Paris, Grand Palais
26.3.–13.7.

Website vom Grand Palais

Paris, Musée Rodin
8.4.–21.9

Der Katalog im Grand Palais kostet 35 Euro, der Katalog im Musée Rodin 40 Euro

http://www.musee-rodin.fr/en/exhibition/exposition/mapplethorpe-rodin