Hannover - Kunst nach 1945

Glaubensfrage

Während abstrakt-expressionistische Werke der Amerikaner für Furore sorgten, wählten deutsche und britische Künstler nach 1945 oft den Mittelweg zwischen Figuration und Abstraktion
Formale Qualitäten:Kunst zwischen Figuration und Abstraktion

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Gegenständlich oder nicht? Erbittert stritten Künstler im Nachkriegsdeutschland über diese Frage, allen voran der Figurenmaler Karl Hofer und der Abstrakte Willi Baumeister. Der Glaubenskrieg um den Neuanfang nach der Nazi-Barbarei ist verständlich, und doch liegen im Rückblick die scheinbar gegensätzlichen Richtungen dichter beisammen, als ihre Verfechter damals wahrhaben wollten. Selbst die Maler Baumeister und Ernst Wilhelm Nay oder der Metallbildhauer Hans Uhlmann, die entschieden ungegenständlich arbeiteten, wirken gemäßigt neben Zeitgenossen wie den Abstrakten Expressionisten in den USA oder den französischen Anhängern der Art Brut.

Darin trafen sich die Deutschen mit ihren britischen Kollegen, von denen viele einen Mittelweg wählten: eine Abstraktion, in der die menschliche Figur noch immer zu ahnen war. Wie etwa Henry Moore in den fünfziger Jahren zwischen freien Formen und klar erkennbaren Gestalten wechselte, zeigt eine Reihe von Arbeiten in der Ausstellung "Die frühen Jahre" des Hannoveraner Sprengel-Museums. Die Kuratorin Carina Plath sieht die Kunst dieser Epoche unverdient überstrahlt durch die großen Strömungen der Folgezeit, von Pop bis Fluxus. Die Schau soll nun die formalen Qualitäten der vergleichsweise stillen Arbeiten herausstellen. Da trifft es sich gut, dass Bernhard Sprengel, aus dessen Kollektion das Museum hervorgegangen ist, viel aus dieser Zeit gesammelt hat, Werke von Baumeister und Nay ebenso wie solche von Moore, Richard Armitage oder Lynn Chadwick.
Gerade im Nordwesten Deutschlands, im Bereich der britischen Besatzungszone, waren die Kontakte nach England eng, Moore und Uhlmann besuchten einander, das British Council regte den Austausch an. An einem Wettbewerb für ein "Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen", 1952 ausgeschrieben vom Londoner Institute of Contemporary Arts, beteiligten sich Künstler von beiden Seiten des Kanals. In Hannover ist neben den Modellen von Uhlmann und Bernhard Heiliger der Siegerentwurf des Engländers Reg Butler zu sehen, der Figuration und Abstraktion auf eigene Art zusammenführt – mit vergleichsweise winzigen Gestalten unter einem antennenartigen Metallgerüst.