Urs Fischer - New York

Urs Fischer bittet zum Abendmahl

Der Schweizer Künstler Urs Fischer wagt einen neuen Paukenschlag: In der ruinösen Filiale der New Yorker Chase Bank installiert er einen Parcours aus skurrilen Ton-Figuren innerhalb eines bunten Themen-Potpourris.

Seit zwei Jahren steht die Filiale der Chase-Bank auf der Lower East Side leer. Die in Braun- und Beigetönen gehaltenen Wände geben ein ebenso deprimierendes Bild ab wie die kargen Büro-Ställe, aus denen die Telefonkabel aus der Wand hängen, oder der schmuddelig grau-braune Teppich.

Die tote Filiale, in der nach wie vor das blaue Chase-Zeichen strahlt, gibt mit seinen leeren Tresoren ein kraftvolles Symbol für den drohenden Untergang der USA und für das kaputte System des Turbo-Kapitalismus her.

Auch wenn es Urs Fischer darum gar nicht geht, muss es für den Schweizer Künstler ein Freudenfest gewesen sein, die Bank-Ruine auf der Delancey Street in einen schizophrenen Skulpturenpark zu verwandeln. Gleichzeitig eröffnete der Künstler in einer neuen Galerie seines Kunsthändlers Larry Gagosian auf der Park Avenue in Uptown eine Ausstellung, die passend zu Ostern Fischers erdige Version des letzten Abendmahls von Jesus und seinen Jüngern zeigt.

Die Arbeiten, die sich in der Bankfiliale über den Teppichboden ausbreiten, in Regalen sitzen, hinter dem Bankschalter aufgestellt wurden oder in Form eines dicken Urs Fischer vor den Herrentoiletten herumzulungern scheinen, stammen ursprünglich aus Fischers Ausstellung im Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles von 2013. Zusätzlich zu der großen Fischer-Show entschied sich der Künstler damals dazu, sein Brooklyner Studio samt Küche in das MOCA zu verlegen und zu der Großproduktion und -Installation "YES" und damit zu einem kollektiven kreativen Akt aufzublasen. Über einen Zeitraum von vier Wochen formten 1500 Kunstbegeisterte in Zusammenarbeit mit Fischer und seinem Team ungebrannte Ton-Skulpturen mit ihren Händen und manchmal Füßen.

Manche der Arbeiten sind grob und roh, andere detailverliebt und zart. Thematisch ist alles Mögliche dabei: ein Eisenbahnzug, eine neckische Meerjungfrau in Form eines Brunnens, ein gigantischer Fuß, eine Säule, die zu den Trümmern eines Palastes gehören könnte, die Figur eines Polizisten, der einen nackten Mann festnimmt, ein vergoldetes Schwein, das von einem Mann missbraucht wird, Napoleons Büste, eine gesichtslose Katze und ein in Ketten liegender Löwe. Die Aktion schloss mit der Kreation des Abendmahls ab. Die Arbeiten, die Fischer für die New Yorker Ausstellungen auswählte, hat er zum größten Teil initiiert und dann von seinen Mitarbeitern weiter ausführen lassen. Die Originale wurden neben dem Abendmahl für die New Yorker Ausstellungen in Bronze gegossen.

Bei der Aktion handelt es sich um einen Fischer-typischen Paukenschlag. 2008 hatte er die Galerie seines New Yorker Dealers Gavin Brown in ein gigantisches Erdloch verwandelt. In Museen lässt er gern die Decke senken oder reißt riesige Löcher in Wände. Die LA-Aktion hätte Freiheit von allen Beschränkungen geboten. Etwas, was die heutige Kunstwelt, in der Studenten Essays schreiben, bevor sie sich an die Arbeit machen, dringend nötig hat, so Fischer. "Es war außer Kontrolle, nicht kontrolliert wie im Atelier, wo man Dinge zu sehr überdenken mag", kommentierte der Künstler seine "chaotische, kleine Nicht-Familie von Dingen".

Urs Fischer - Ausstellungen

"last supper", Gagosian Gallery, New York
3.4-8.5.

"mermaid pig bro w/ hat", 104 Delancey Street, New York
3.4.-23.5.

Video von Fischer und Team bei der Arbeit im MOCA:
http://www.youtube.com/watch?v=cO4J2_OiZE0&feature=youtu.be